(Sport)Verletzungen auskurieren

Nicht immer stellt sich nach der „Aktiven Zeit“ oder Sporteinheit das bekannte, gute Gefühl ein. Wer öfter eine Stunde im Fitness-Studio oder eine Stunde Walken oder oder… (es trifft für alle Sportarten oder Bewegungseinheiten zu) hinter sich hat, der kennt sicher hinterher das sehr angenehme Gefühl, „fleißig“ gewesen zu sein, die Grenzen des Körperlichen bzw. überhaupt den Körper intensiver zu spüren. Dieses Gefühl kann etwas getrübt sein, wenn man sich dabei verletzt hat bzw. wenn sich „erste Verschelißerscheinungen“ (ich könnte heulen, aber es lässt sich nunmal nicht leugnen, dass ich alt werde…) nach der Bewegungseinheit zeigen.

Jammern hilft in diesem Fall ja bekanntlich gar nichts. Nicht wahrhaben wollen und einfach genauso weitertrainieren, geht auch gerne mal nach hinten los (dann wird die Trainingspause noch länger…). Was kann man also tun? Auskurieren, klar. Manchmal mit Hilfe eines Arztes, wenn es schwerwiegend ist. Oft reicht bei überreizten oder überbeanspruchten Muskeln aber auch ein kühlender Umschlag oder ein wärmendes Bad mit entzündungshemmenden Kräutern.

Vor unserer Haustür können wir oftmals leicht geeignete Kräuter für solcherlei Anwendungen finden. Beispielsweise Beinwell, der – wie der Name schon sagt – von alters her gerne zur Behandlung von Beinfrakturen verwendet wurde. Wer jetzt noch Blätter des Beinwells findet, kann sich aus den Blättern, die mit einem Nudelholz ein bisschen aufgeweicht (er hat ja recht borstige Blätter) und die Pflanzenzellen aufgedrückt wurden, einen kühlenden Umschlag bereiten. Auf die Blätter noch ein feuchtes Tuch auflegen, und ein paar Stunden wirken lassen.

Der Brennnessel wird heilende Wirkungen bei rheumatischen Beschwerden nachgesagt. Leicht entzündete Sehnen, Bänder oder Gelenke quittieren einen Umschlag aus den Brennnesselblättern oder ein Bad im Brennnesselblätter-Tee ebenso mit einer Linderung der Schwellung und der Schmerzen. Dazu aber bitte die Blätter ebenso vorher in einem Küchentuch und mit einem Nudelholz anquetschen – damit sind die Brennhaare kaputt und der heilende Pflanzensaft kann austreten und an der betroffenen Körperstelle ansetzen. (Ohne vorheriges Ausquetschen wird dann wohl der Gelenk-Schmerz vom Brennen der Pusteln abgelöst, kann ja beim einen oder anderen auch hilfreich sein…)

Recht einfach und schnell zubereitet ist auch eine Tinktur aus Rosmarin aus dem hauseigenen Garten. Diese Lösung hemmt Schwellungen und lindert Schmerzen, wenn man die betroffenen Stellen drei mal täglich damit einreibt. Dabei aber bitte eine Ziehzeit von 3 Wochen beachten! In diesem Fall ist es besser, eine Tinktur für die Hausapotheke vorbeugend zuzubereiten.

Wenn man dann für kurze Zeit eine Trainingspause einlegen muss, es einen aber (so wie mich) fast täglich nach draußen zieht, reicht ja auch meist schon ein schöner Spaziergang. Gerade jetzt, wo es herbstelt, sind das Farbenspiel der Herbstblätter, die roten und schwarzen Früchte und Beeren, sowie die braunen, mal kugeligen, mal rau-zackigen Samen ja eine echte Augenweide. Nebenbei werden auch unsere Ohren vom Rascheln der Blätter und dem Knacken der Bucheckern unter unseren Schuhen umschmeichelt. Und damit wir mit allen Sinnen genießen können, sollte der Herbstspaziergang idealerweise doch den modrigen, pilzigen Geruch des feucht-frischen Waldbodens, sowie ein paar Handschmeichler wie Kastanien mit einbeziehen. Meinen Spaziergang runde ich dann sehr gerne noch mit frischen Haselnüssen oder ein paar Buchecker-Samen ab (eine Handvoll ist für einen Erwachsenen unbedenklich), dann hat auch der Gaumen etwas davon.

Endlich wieder ein „reiches Nuss-Jahr“

Was damit gemeint ist? Wer die Natur ein wenig durchs Jahr beobachtet, hat festgestellt: letztes Jahr gab es kaum Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern oder Eicheln. Mit nussigen Genüssen kam man letztes Jahr nicht so weit. Dafür haben wir dieses Jahr wieder Glück: ein „reiches Nuss-Jahr“! Damit sollte sich doch etwas anfangen lassen!

Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dieses Jahr um ein sogenanntes „Mastjahr“. Unsere Bäume v.a. in Wald und Flur tragen nicht jedes Jahr gleich viele Früchte. Jahre, in denen Kastanien, Eicheln und Bucheckern zu Hauf vorhanden sind, nennt man Mastjahre. Dieser Name beruht auf Zeiten, als die Bauern ihre Schweine noch in den Wäldern hielten. Gab es Jahre mit vielen Früchten am Boden, fanden die Tiere mehr Futter, daher der Begriff „Mastjahr“.

Mastjahre gibt es regelmäßig. Bei Buchen sagt man, kommen sie alle drei bis sechs Jahre vor, bei Eichen nur alle sechs bis zwölf Jahre. Für Linde und Kastanie gilt sogar ein dreijähriger Rhythmus. Dabei wurde beobachtet, dass sich die Mastjahre in den letzten Jahren häufen, also der Rhythmus kürzer wurde.

Natürlicherweise entsteht dieser Rhythmus durch die Verteilung an Nährstoffen und Nährelementen, die der Baum gespeichert hat. Legt der Baum davon viele in Blüten an und können sich diese ohne Spätfrst ausreichend entwickeln, gibt es viele Früchte. Dadurch hat der Baum aber im Folgejahr etwas weniger an Ressourcen zur Verfügung, wodurch es weniger Blüten und weniger Früchte gibt. So entsteht für jede Baumart ein arttypischer Mastjahr-Rhythmus.

Als einer der Gründe für die vermehrten Mastjahre wird der Klimawandel genannt. Häufigere Spätfröste und sehr warme und trockene Sommer begünstigen die Mast. Einerseits gut für die Bäume, denn sie können mehr Sprösslinge in die Welt setzen. Andereseits haben sie einen deutlich höheren Energiebedarf durch die ständige Mast.

Wer Genüsse direkt vor der Hasutür finden will, der kann sich jedenfalls dieses Jahr wieder einer reichen Ernte erfreuen. Ich habe mal mit den Haselnüssen angefangen. Sie haben ein besonderes Aroma, die Kautätigkeit regt auch die Hirntätigkeit an (daher sind sie im Studentenfutter sehr beliebt) und sie sind reich an Fetten, Zucker, Eiweiß, Vitaminen, sowie Mineralstoffen wie Calzium, Magnesium, Mangan, Silizium, Phosphor und Kalium. Kinder (und nicht nur die!) haben eine helle Freude, die Nüsse direkt vom Baum zu pflücken, zu knacken und einfach roh zu naschen. Aber sie eignen sich auch hervorragend für die Küche! Mischt man z.B. ein paar Karotten dazu, bekommt man einen wunderbar aromatischen Rübli-Kuchen. Ein feiner Ge-Nuss am herbstlichen Nachmittag! Hier geht´s zum Rezept.

Wo die Liebe hinfällt…

Die meisten werden das schöne Sprichwort von der Liebe kennen, das so trefflich umschreibt, wie hilflos man den Gefühlen ausgesetzt ist, wenn einem das Schicksal einen Romeo (oder eine Julia) geschickt hat, der oder die zumeist „nicht gut“ für uns zu sein scheint:

„Wo die Liebe hie´fällt, da bleibt se flacka, und wenn´s auf´m Mischthaufa isch!“ so formulierte es meine gute Oma noch im Augschburgerischen bestem Schwäbisch.

Aber dass man das auch auf das Pflanzenreich anwenden kann, dürfte den wenigsten bewusst sein. Gut, man kann es nicht eins zu eins auf das Pflanzenreich übertragen, denn in diesem Fall meine ich nicht das gegensätzliche Geschlecht, das sich die Pflanze aussucht, sondern viel mehr den Nährboden, den sich die Pflanze sucht. Ich habe nämlich ein paar dreiste Hollerbüsche gefunden, die tatsächlich eine stattliche Größe erreichen konnten, obwohl ihr „Boden“ alles andere als üblich ist.

Es handelt sich hierbei nicht um sogenannte Epiphyten, also Pflanzen, die ihre Lebensweise darauf ausgerichtet haben, auf anderen Pflanzen zu gedeihen (wie das z.B. Tillandsien und Bromelien tun), sondern vielmehr um eine unverhoffte Zusammenkunft von Holunder-Same und etwas feuchter, humoser, moosiger Baumborke (in diesem Fall Ahorn), die aus dem Holunder eine „Aufsitzer-Pflanze“ gemacht hat.

Man erkennt es tatsächlich erst auf den zweiten Blick, aber hier wachsen in einer Ahorn-Allee auf mehreren (!) Ahorn-Bäumen (Acer campestre) kleine Hollerbüsche (Sambucus nigra) in den Astachseln. Und einige haben sogar Blüten und mittlerweile Fruchtansätze.

Man könnte also meinen, dass das für den Holunder nicht lange gutgehen kann – oder auch für den Ahorn. Aber im Moment, so scheint es doch eine Art Beziehung zwischen den beiden zu geben, die bei genauerer Betrachtung nicht unbedingt nachteilig für alle Beteiligten ist: der Holunder lebt nicht parasitisch – er kann die Leitungsbahnen des Ahorns im Inneren des Stamms nicht mit seinen Wurzeln anzapfen. Er muss also dank des Mooses, genug Boden und Halt für seine Wurzeln gefunden haben, wodurch er sich auch zunächst noch ausreichend mit Mineralsalzen und Wasser versorgen kann. Sicher kann das bei zunehmender Größe schwieriger werden, aber so, wie sie jetzt „zusammenstehen“, sieht es doch recht harmonisch aus.

Der Ahorn hat auch (noch) keinen Schaden. Der Holunder hat keine solche Größe und Gewicht, die ihm schaden könnten, er wird höchstens am Stamm zusätzlich beschattet.

So manche Beziehung, die also zunächst mal „unausgeglichen“ oder „schädlich“ für einen oder beide Parteien scheint, kann sich später also durchaus noch zu einer – zwar ungewöhnlichen, aber dennoch harmonischen – Beziehung entwickeln. Wünschen wir also doch Ahorn und Holunder einfach nur Glück für ihre gemeinsame Zukunft!

Weiße Bärte oder braune Bärte

Bei den einen reifen schon so langsam die Früchte, bei den anderen sind gerade die Blüten duftig-summend geöffnet. Wem zuvor nie eine Linde besonders aufgefallen sein mag, der stelle sich einmal im Juni oder Juli unter einen solchen Baum. Das wohlig-duftende und lebendig-summende Gewächs zeigt seine Wirkung und Geschichten, die um ihn bestehen, quasi schon von selbst. Man muss sich nur ein bisschen öffnen, für das, was der Baum einem bieten möchte.

Die Linde ist der letzte heimische Baum, der blüht und der erste der fruchtet, dabei gibt es die Sommer- (Tilia platyphyllos) und die Winterlinde (Tilia cordata). Um Sommer- und Winterlinde am leichtesten voneinander zu unterscheiden, so schaut man sich am besten die Unterseite der Blätter an: Dort sind in den Achseln der Blattnerven kleine Haarbüschel zu sehen, die entweder weiß oder eher rötlich-braun sind: „Wenn die Bärte weiß sind wie das strahlende Licht im Sommer“, handelt es sich um eine Sommerlinde. „Wenn die Bärte braun sind wie der Pelz des Bären, der Winterschlaf hält“ ist es die Winterlinde.

Zuletzt hat mir eine Bekannte erzählt, dass sie einen Lindenbaum im Garten habe, aber „den falschen“, wie ihr Homöopath sagte. Beide Lindentypen aber, die man bei uns antrifft, Sommer- wie Winterlinde, haben die gleichen Eigenschaften und lassen sich sowohl in Küche als auch Hausapotheke gleichsam anwenden (das bestätigt u.a. auch der Apotheker M.Pahlow). Es gibt also keine „falsche Linde“!

Aus unseren Lindenblüten (hier handelt es sich nun um die Blüten der Winterlinde) haben wir dieses Jahr Mädesüß- und Lindenblüten-Tee hergestellt und Lindenblütensirup, welches beides besonders gut schmeckt und uns in der kalten Jahreszeit aufwärmt und bei Erkältungssymptomen mildende Abhilfe schafft.

Die Blüten – die mit dem Hochblatt gesammelt werden – eignen sich nämlich seit jeher zur Linderung von Atemwegserkrankungen und Husten. Durch Tee und als Zugabe im Badewasser lassen sich die schweißtreibenden und schlaffördernden Eigenschaften, für die die Linde zu allen Zeiten bekannt war, am besten gegen Erkältungskrankheiten einsetzen. Damit helfen die Lindenblüten bei Grippe, Erkältung und Rheuma genauso wie sie erweichend auf den Hals bei Husten wirken. Bei Schlaflosigkeit hilft ihre sedative Wirkung.

Für den Tee haben wir Mädesüß- (Filipendula ulmaria) Blütenrispen und Lindenblüten zu gleichen Teilen gesammelt und im Schatten auf einem Backblech mit Backpapier für ein paar Tage getrocknet. Dann konnte man sie in einer Teedose abfüllen und aufbewahren. Für den Sirup wurde 1 kg Zucker mit 1 l Wasser aufgekocht. Diesen Zuckersirup gießt man dann über 2 große Handvoll weit aufgeblühter, duftender Lindenblüten, die zusammen mit der Schale einer Bio-Zitrone in einem großen Schraubglas aufgeschichtet sind. Zum Schluss noch den Saft einer Bio-Zitrone zufügen und das Ganze kühl und dunkel für 2-3 Tage durchziehen lassen (z.B. im Keller). Anschließend werden die Zitronenschalen und die Blüten abgefiltert und der Sirup nochmals erhitzt. Wenn man ihn noch heiß in Glaschen abüllt, hält er etwa 1 Jahr im Kühlschrank. Der Sirup mundet besonders meinen Kindern statt 1 EL Honig in den winterlichen Früchtetee. Mir bleibt dann meist mehr von dem Mädesüß-Lindenblüten-Tee, dessen wohlig wärmende und beruhigende Wirkung ich sowieso lieber mag.

Wie kleine grüne Finger

Wie kleine grüne Hände mit fünf zierlichen Fingerchen dran – so sehen die Blätter des kriechenden Fingerkrautes (Potentilla reptans) aus. Und dank dieser passenden Namensgebung kann man das kleine, nützliche und hübsche Kraut auch schnell erkennen und benennen. Mancherorts wird es sogar kriechendes Fünffingerkraut genannt – noch leichter also. Eine Verwechslung mit dem leicht giftigen kriechenden Hahnenfuß (Ranunculus reptans) kann man ausschließen, wenn man wirklich die fünf Finger abzählt – der kriechende Hahnenfuß hat nämlich nur drei Fiedern, die gezackt sind.

Nützlich ist es in vielerlei Hinsicht: Im Garten ist das kleine Rosengewächs (Rosaceae) ein ansehnlicher Bodendecker. Zu Anfang wollte ich im Garten jeden Wildwuchs unterdrücken, aber das kleine Fingerkraut erwies sich Jahr für Jahr als recht hartnäckig. Als ich mit zunehmender Zeit die Liebe zu den Wildpflanzen entdeckte, bedeckte das kleine Kraut schon länger die kahle Ecke eines Blumenbeetes und mittlerweile haben es Storchschnabel, Gartensalbei und Mädchenauge schon fast überwuchert und man sieht nur noch vereinzelt die kleinen Händchen und gelben Blütchen dazwischen aufblitzen.

Die Blätter sind etwas schwer zu kauen, deshalb eignet es sich in der Küche am besten zu gehackten Kräutermischungen. Mit den gelben glänzenden Blüten lassen sich die Teller hervorragend verzieren oder man streut die gelben Blütenblätter einfach als gelbe, essbare Farbtupfer auf den Salat, die Nudeln mit Wildkräuterpesto oder über das Fischfilet mit Wildkräuterkruste (irgendwann schaffe ich es, auch diese Rezepte online zu stellen…). Wem es nicht zu schade ist, der kann selbst die Wurzeln aus dem Garten ausgraben, reinigen und kochen. Sie schmecken leicht süßlich, ähnlich der Karotte. Ich lasse die Wurzeln aber lieber im Boden und ernte nur das Kraut und die Blüten.

Der Verzehr lohnt sich für den Körper: die Blätter enthalten Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide und Cumarine und reichlich Vitamin C. Das macht es auch für den sportlichen Kräuter-Liebhaber interessant – dieser hat ja in der Regel einen höheren Vitamin-Bedarf, um sich dem erhöhten „Stress“ durch die Leistungssteigerung des Körpers anzupassen.

Aufgrund seines Gehaltes an Gerbstoffen und Bitterstoffen wird es ähnlich dem Gänse-Fingerkraut von Alters her auch als Heilpflanze für Schmerzen und Krämpfe im Bauchbereich bzw. Verdauungstrakt angewandt. Sein Pflanzensaft reinigt das Blut und macht es dünnflüssiger. Daher soll der Tee aus dem Kraut auch Frauen helfen, die Krampfadern-geplagt sind.

Schlussendlich wissen auch meine Kinder etwas mit dem Kräutlein anzufangen: Darf ich vorstellen? Ein Blättermensch: Ein Körper aus Hainbuche, ein Kopf aus der Ackerwinde (davon habe ich leider auch reichlich im Garten), Beine und Füße aus dem Frauenmantel, und zum Schluss auf jeder Seite zwei kleine Blätter mit den je fünf Fingern – fertig ist ein grünes Kunstwerk, oder?

Rossfenchel

Jetzt zieren seine üppigen tellerartigen Blütenstände schon mehr und mehr die gerade gemähten Wiesen. Ist er vor der Mahd noch im hohen Gras etwas untergegangen, zeigt er jetzt durch sein überdurchschnittlich rasches Nachwachsen und seine hohen Blütenstände seine ungeheure Kraft und Standhaftigkeit: der Rossfenchel, oder wie ihn die meisten wohl besser kennen: der Wiesen-Bärenklau, Bärentatze, Bärenfuß, mit wisseschaftlichem Namen: Heracleum sphondylium.

Der Name Rossfenchel passt ganz gut zu ihm, riechen seine Blätter, Blüten, Knospen doch ein wenig fenchel-, anisartig, wenn man sie frisch von der Wiese pflückt. Auch die Namen des Bärenklaus/Bärentatze/Bärenfuß kommen nicht von ungefähr; ähneln seine Blätter in der Form den Pranken von den gewaltigen ehemaligen Waldbewohnern. Aber Vorsicht beim Pflücken oder Ernten: je nach Empfindlichkeit kann man bei hoher Sonneneinstrahlung mit der sog. Wiesendermatitis reagieren!

Der Bärenklau enthält in seinem Pflanzensaft die Furanocumarine, die auf unsere Haut fototoxisch wirken, d.h. sie sensibilisieren die Berührungsstellen unserer Haut für Sonnenlicht, was zu Hautrötungen oder leichten Entzündungen an diesen Hautstellen führen kann. In der Regel ist die chemische Struktur der Furanocumarine im Wiesen-Bärenklau nicht so extrem aggressiv, dass sie bei jedermann diese Symptome hervorruft. Ein prominentes Beispiel für etwas stärker wirkende Furanocumarine ist der große Bruder der Pflanze, der Riesen-Bärenklau (siehe Beitrag).

Für die Küche ist er dennoch absolut empfehlenswert: vor allem die ganz jungen, rohen Blätter und Knospen sind ein absolutes Highlight, ob roh oder gekocht, für jede Kartoffelspeise oder als Salat. Für Suppe, Püree als Gemüsebeilage oder als Auflauf können auch die etwas größerem Blätter verwendet werden. Junge Stängel, geschält, eigenen sich aufgrund ihres saftigen Geschmacks auch als Rohkost (wobei es bei empfindlichen Personen eben zu allergischen Reaktionen kommen kann! – Gekocht unterbleiben diese).

Von der geringen Gefahr bei der Ernte mal abgesehen, hält der Rossfenchel auch noch allerlei gute Inhaltsstoffe für uns bereit und einen erfrischenden Geschmack für die moderne Kräuterküche. Er wartet mit Bitterstoffen, die die Verdauung anregen, Beta-Carotin, Vitamin C, Eiweiß, Eisen, Magnesium, Calcium und Kalium auf, womit gerade Sportler Ihren Mehrbedarf an Vitamin C und Mineralien prima decken können. Ein ideales gesundes Gericht bietet z.B. der Wiesenbroccoli-Salat mit Beluga-Linsen (hier geht´s zum Rezept).

Zieste, siehste!

Wenn man jetzt durch die Auen und Wiesen zieht, stößt man unter anderem auch auf die Zieste. Sie stehen jetzt in der Blüte. Im Botanischen Garten umschmücken sie die Rosenblüten, wie der Wollziest (Stachys bycantina), ein häufiger Rosenbegleiter. Wirft man im Vorübergehen nur einen kurzen Blick auf sie, kann man sie auch versehentlich mal mit den teilweise ähnlich anmutenden Taubnesseln (Lamium) verwechseln. Aber es sind eben Zieste! Siehste!

Hier bei uns im Wald siedelt der Wald-Ziest (Stachys sylvatica), eine Art aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er hat hübsch gemusterte rötlich oder braun-rote Blüten und wächst horstig dicht entlang der Waldwege. Er riecht beim Zerreiben der Stängel und Blätter etwas streng (durch ätherisches Öl), und enthält außerdem Betaine (Stachydrin, Turicin), Gerbstoffe und Bitterstoffe. Lässt man die Blätter und Triebspitzen etwas anwelken, wird ein herberer Waldboden-Geruch – fast schon pilzig – frei, der in Soßen oder Suppen ein feines Aroma beigeben kann.

Auch interessant, aber (zumindest hier) weitaus seltener zu sehen, ist der Heilziest. Er reiht sich mit seinen violetten Lippenblüten ebenso in die Familie der Lippenblütler ein, wird aber nur von manchen Autoren als Stachys officinalis betitelt. Man findet ihn eher unter dem wissenschaftlichen Namen Betonica officinalis, was ihm auch zu dem Namen „Echte Betonie“ verhielf.

Wie sein Name schon andeutet, spielt diese Pflanze weniger in der Küche als in der Pflanzenheilkunde eine Rolle. Auch er weist Betaine, Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe auf, die bei Durchfall und Atmewegserkrankungen lindernde Wirkung erzielen. Ein Tee aus dem Kraut wird auch gern bei nervositätsbedingten Kopfschmerzen empfohlen. Seine Wirkung ist schon seit der Antike bekannt und die Wissenschaft gibt dem durch neuere Untersuchungen der Inhaltsstoffe durchaus recht.

Da man ihn leider aufgrund seiner Ansprüche an den Standort nicht mehr allzu häufig sieht, lasse ich ihn aber lieber stehen, wenn ich mir einen feinen Tee machen will. Er schätzt eher mageren, durchlässigen Boden, was man ja leider immer seltener durch Überdüngung unserer Wiesen vorfindet. Da sein Bruder, der Wald-Ziest, ja ähnliche Wirkstoffe enthält, kann der Tee auch aus diesem Ziest-Kraut gewonnen werden. Oder man greift halt doch zu den Taubnesseln – die sind ein bisschen milder und süßlicher im Geschmack und haben ähnliche Wirkung bei Atemwegsbeschwerden oder Durchfall.

Wer braucht denn da noch Phalaenopsis?

Was habe ich Zeit und Energie in die Pflege meiner Orchideen auf der Fensterbank gesteckt! Jahrelanng habe ich Frauenschuh, Schmetterlings-Orchideen (Phalaenopsis) in verschiedenen Sorten, Dendrobium, Cattleya und wie sie alle heißen auf meiner Fensterbank kultiviert. Mit mäßigem Erfolg, da eine Wohnzimmer-Fensterbank in der Regel einfach zu warm durch´s ganze Jahr ist und zumeist zu trocken.

Ich habe nichts gegen die Schönheiten aus dem niederländischen Gewächs-Haus – im Gegenteil! Aber letztlich habe ich in den letzten Jahren doch erkannt, dass wir so viele heimische Orchideen-Schönheiten auf unseren Wiesen und in unseren Wäldern und Bergen bewundern können! Und sofern wir die mageren Wiesen erhalten und die in der Regel geschützten Pflänzlein nur mit den Augen bewundern, ziehe ich diese „faule“ Art der Pflanzenliebe vor!

Wieder in meinem „Eldorado“ habe ich die Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) entdeckt. Der Name ist etwas verwirrend, ist sie doch ein Orchideengewächs (Orchidaceae) und kein Spargelgewächs (Asparagaceae) wie die „echten“ Hyacinthen (Hyacinthus-Arten), die wir von Ostern kennen. Bis auf den traubig anmutenden Blütenstand hat sie mit diesen auch nichts gemein.

Ihre zierlichen gespornten Blüten verströmen nur nachts einen Maiglöckchen-haften süßen Duft, mit dem sie ihre Bestäuber, die Nachtfalter, anlocken. Diese nämlich haben einen ausreichend langen Rüssel, um den Nektar aus der engen Spornröhre zu saugen.

Haben diese ihren Job als Bestäuber getan, kann sich am Blütenstand der klitzekleine, staubfeine Same entwickeln, der bei dieser Orchideenart kein Nährgewebe enthält (Normalerweise schicken Pflanzen ihre Babys immer mit einem Lunchpaket in die Welt, damit genügend Reserve vorhanden ist, wenn die kleine Baby-Pflanze den richtigen Standort gefunden hat und aus eigener Kraft austreiben kann). Stattdessen hat die Weiße Waldhyazinthe ein unerschütterliches Vertrauen in einen Wurzelpilz (man spricht hier wieder von Mykorrhiza – ein im Boden lebender Pilz geht mit den Wurzeln verschiedenster Pflanzen Win-Win-Beziehungen ein), dank dessen „Eindringen“ in die Zell-Schichten des Samens die Auskeimung initiiert wird.

Das ist doch wieder mal ein wunderbares Beispiel für die erfolgreichen, vielschichtigen Überlebenskünste des kleinen Mikrokosmos direkt vor unserer Haustür! Ich staune jedes Mal darüber!

Wo kommen die braunen Stängel da plötzlich her?

X-mal bin ich schon daran vorbeigelaufen bei meinen üblichen Laufrunden durch den Wald. Hin und wieder ploppte dann ein kurzer verwuderter Gedanke auf, woher nun plötzlich diese abgestorbenen braunen Stängel da herkommen – sie sind mir den ganzen Winter nicht augefallen (hierbei muss ich anmerken, dass meine Augen wirklich meist an den Boden „geheftet“ sind, immer auf der Suche nach neuen „Schönheiten“, die sich vom Wald- oder Wiesenboden langsam erheben, bzw. im Beobachtungsmodus, wie weit jedes einzelne Pflänzlein, das ich schon über Wochen beobachte, schon entwickelt ist).

Irgendwann musste ich aus dem Jogging-Tempo dann doch mal innehalten und diese braunen Triebe etwas genauer untersuchen: und siehe da – braune Orchideenblüten! Da bin ich doch dauernd an einer Nestwurz (Neottia) vorübergelaufen, ohne ihrer Anmut zu huldigen! Schande auf mein Haupt!

Bei der bei uns heimischen Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-arvis) handelt es sich um ein Orchideengewächs (Orchidaceae) und eine braune, also blatt-grün-(Chlorophyll-)lose Waldorchidee, die häufig in Buchenwäldern vorkommt. Somit fühlt sie sich auch bei uns hier, direkt am Waldrand sichtlich wohl.

Hat sie durch ihre langweilige braune Farbe auch nicht allzu viel zu bieten (dass man sie als vermeintlicher Insider auch noch leicht übersieht!), versucht sie zumidest, nur auf ihre Blüten hinzuweisen: sie verschwendet keine Energie auf die Bildung hübscher Blätter – sie verfügt gerade mal über krüppelige Blattschuppen: „Seht her, es ist nicht viel, was ich zu bieten habe, aber immerhin habe ich das hier: herrliche formschöne Blüten, die duften!“ Und ja, das tun sie: sie duften süß nach Honig, wenn man sich ein wenig zu ihnen hinunterbeugt.

Die kleine Nestwurz ist mal wieder einer dieser Schmarotzer, wie wir es schon vom Waldvöglein kennen (hier zum Nachlesen) – ihr sieht man es aber nahezu an, oder? Sie zapft ebenso wie das Waldvöglein sämtliche „Lebensmittel“ von dem Pilz ab, der wiederum seine Assimilate über die umliegenden Buchenwurzeln erhält. Der Unterschied ist, dass sie ohne Chlorophyll keinerlei Photosynthese betreiben kann, also ist sie ein sog. Vollschmarotzer. Aber auch sie entzückt uns mit ihren ersten Blüten erst nach etwa 9 Jahren unterirdischen Daseins.

Und läuft man dann nicht – so wie ich – gefühlte hundert mal an ihr vorbei, ohne sie zu erkennen, kann man sich über eine weitere heimische Orchideen-Art freuen, die zurecht geschützt ist, aber dennoch nicht allzu selten vorkommt.

Achtung! Kein Raps am Straßenrand!

Vielleicht erging es Ihnen wie mir, als Sie auf der Autobahn oder der Bundesstraße unterwegs waren und am Straßenrand üppige, strahlend gelb blühende, auffällige Krautbestände bemerkten: „Ach, da hat sich aber eine Menge Raps vom Acker gemacht!“

Doch, Achtung, kein Raps blüht da am Straßenrand! Irgendwie sah es auf den zweiten Blick doch etwas anders aus, und nach einem Check im Bestimmungsbuch kann ich es mit Sicherheit sagen: es handelt sich um das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis), zwar ein Verwandter des Raps (Brassica napus) aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), aber auch so sympathisch?

Recherchiert man im Netz, sinkt die Sympathie für den gelben Schössling. Es wird als invasiver Neophyt, welcher sich aus Sibirien und Ost- bis Südosteuropa rasant bei uns ausbreitet, beschrieben und Landwirten wie auch Besitzern großer Grundstücke werden Ratschläge gegeben, wie man den gelben Eindringling bekämpfen kann.

Man erkennt es an seinen aufrechten steifen und recht stabilen Stängeln und den Blättern, die pfeilartig vom Stiel abgehen und weiter unten auch mal in Blattfiedern aufgeteilt sind mit einer größeren „Pfeilspitze“ am Ende. Von den komisch gekrümmten, buckelig genarbten Früchten hat das Kraut seinen Namen Zackenschötchen. Und den Artnamen „orientalisch“ hat es wohl dank seiner Herkunft. Jedoch erinnert sein Auftreten kaum an ein sagenhaftes „Morgenland“ oder ähnliches, vielmehr mutet es doch wie eine landwirtschaftliche Futterpflanze an.

Und genau das ist wohl auch ihr Einwanderungs-Hintergrund. Dank Ihres hohen Eiweißgehaltes war sie zunächst als Futterpflanze beliebt. Da sie aber Ruderalgesellschaften gerne schnell erobert, „Störungen“ der Wachstumsbedingungen wie Baumaßnamhen oder exzessive Mahd besser wegsteckt als andere Pflanzen, konnte sie ihr Einzugsgebiet rasch ausweiten.

Wie in den meisten Fällen bei den invasiven Einwanderern wurde der Siegeszug des Orientalischen Zackenschötchens jedoch überschätzt bzw. überbewertet. In der Regel folgt auf eine explosionsartige Ausbreitung eines grünen Eindringlings ein Einpendeln im eher niedrigeren Bestandsbereich und der verursachte Schaden an heimischer Flora und an Biodiversität bleibt überschaubar bzw. erholt sich wieder.

Bleibt zuletzt nur noch zu sagen: wer das Kraut auf seinem Grundstück nicht dulden will, kann die Ausbreitung sozusagen „im Keim ersticken“: die jungen Triebe und die Wurzeln des Krautes sind sowohl roh (im Salat oder als Rohkost) als auch gekocht genießbar. Da sie ein entfernter Verwandter unserer Kohlgewächse ist, dürften wir „Kohlfresser“ damit keine weiteren (Verdauungs-)Schwierigkeiten haben, sondern uns über eine weitere Bereicherung auf unserer Speisekarte freuen!