Wildkräuter für einen ruhigen Darm

Teil 1

Vor kurzem bat mich ein guter Bekannter, ob ich mit ihm eine Kräuterwanderung zum Thema gesunder Darm machen könnte. Gern habe ich mich dieser Aufgabe gewidmet. Natürlich bedarf so ein Spaziergang einiger Vorarbeit: welche Kräuter eignen sich für dieses Thema? Wo finde ich die Kräuter in näherer Umgebung? Ist eine Route erstellbar, auf der alle diese Wildkräuter zu finden sind?

Gerade die richtige Route stellte eine echte Herausforderung dar. Aber letztlich hat es geklappt, und (fast) alle Kräuter, die Ihr hier lesen könnt, kann man auf einem schönen Spaziergang nach Schwaigwall bei Geretsried finden. Beziehungsweise, vielleicht kann man sie auch alle finden, und ich habe sie nur nicht alle entdeckt… vielleicht hat jemand mehr Glück?

Wer sich schon ein bisschen mit dem Thema Gesunder Darm auseinandergesetzt hat, wird von drei Begriffen bereits gehört haben: Basische Ernährung, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Auf die basische Ernährung soll nur insoweit eingegangen werden, dass viele Lebensmittel, gerade aus dem Convenience-Food-Bereich, in unserem Verdauungstrakt Säure-Bildung verursachen und damit ein gesunder Säure-Basen-Haushalt gestört sein kann. Es empfiehlt sich daher, eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln zu bevorzugen.

Heilpflanzen mit einem hohen Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen unsterstützen dabei dann zusätzlich eine gesunde Darmflora. Bitterstoffe sorgen für eine erhöhte Produktion von Speichel, Magensaft und Bauchspeicheldrüsensaft und sind somit Treibstoff für die Verdauung. Sie fördern den Stoffwechsel und regen der Appetit an. „Was bitter im Mund, ist im Magen gesund.“ kann man sich dazu ganz gut merken.

Gerbstoffe helfen dabei, Schadstoffe im Körper zu binden und auszuscheiden und reinigen die Darmschleimhaut. Die Pflanzen besitzen sie in erster Linie als Fraßschutz, aber für unseren Körper tun sie dabei viel Gutes.

Der Löwenzahn ist eine der bekanntesten Pflanzen, die reich an Bitterstoffen ist. Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Taraxacum officinale enthält v.a. in seinem weißen Milchsaft viele Bitterstoffe, die ihn extrem bitter schmecken lassen. Das verschmähen die meisten, v.a. Kinder. Man kann sich die wertvollen Stoffe aber trotzdem holen, indem man sich aus Pflanzenteilen einen Tee bereitet. Dabei eignen sich v.a. Wurzel und Blätter, die man getrocknet oder frisch zum Tee verarbeiten kann. Natürlich braucht man von frischem Kraut etwas mehr als von getrockneter Droge, da die Stoffe weniger konzentriert sind. Sollte das geschmacklich immer noch nicht überzeugen, helfen oft Mischungen mit Melisse oder Minze, dazu gerade bei Kindern ein kleiner Löffel Honig.

Seine gallebildende und gallenflussfördernde, sowie nierenanregende, leberstärkende Eigenschaften hat das Bundesgesundheitsamt einst bestätigt und nannte zur Anwendung weiterhin Probleme im Magen-Darm-Bereich wie Völlegefühl oder Blähungen.

Ein Kraut derselben Familie, nämlich der Korbblütler, erkennen wir besonders häufig an seinen im Hochsommer intensiv blau blühenden Blüten: die Wegwarte oder Zichorie. Das Kraut mit dem botanischen Namen Cichorium intybus enthält in Blatt- und Stengelteilen sowie in der Wurzel reichlich Bitter- und Gerbstoffe, welche man auch ausgezeichnet zu Tee verarbeiten kann. Der Tee ist seit langem für seinepositive Wirkung zur Kräftigung, zur Stoffwechelsanregung bekannt. Er ist zudem harn- und galletreibend und fördert die Verdauung. Eine Studie der Uni Jena ergabaußerdem, dass alle Verwandten der Wegwarte (Chicoree, Endivie, Radicchio) unsere Darmzellen und krebsabwehrende Bakterien in unserem Verdauungstrakt stärken.

Eine ebensfalls sehr häufig anzutreffende Heilpflanze für unseren Darm ist die Schafgarbe, oder Achillea millefolium. Sie gehört ebenso zu den Korbblütlern und wird besonders gern als Gewürz fettreicher Fleischgerichte verarbeitet. Das hat nicht nur einen geschmacklichen Grund, sondern auch einen gesundheitlichen: Durch die Beigabe von Schafgarben-Kraut wird die Verdaulichkeit verbessert. Dank der enthaltenen Gerbstoffe, Flavonoide, den Bitterstoffen Achillein und Moschatin wirkt die Pflanze entkrampfend und beruhigend auf den Darmtrakt und fördert gleichzeitig die Galleabsonderung. Damit haben Blähungen weniger Chancen und der zu verdauuende Nahrungsbrei „flutscht“ besser. Man kann sich einen Tee aus Kraut und Blüten herstellen oder das Kraut wie beschrieben gehackt zum Essen hinzufügen.

Wer kennt die alte Tradition nicht, Kleinkindern bzw. Säuglingen mit Verdauungsstörungen mageren Karottenbrei zu verabreichen? Dies empfiehlt sogar die Schulmedizin. Eher an den ähnlich anmutenden Blättern als an ihrer Wurzel würde man die Verwandtschaft der Wilden Möhre zu unserer kultivierten Karotte anerkennen. Dennoch haben unsere Gemüsekarotten all ihre guten Eigenschaften ihrer wilden Ur-Mutter (Daucus carota) zu verdanken, in der die gesunden Inhaltsstoffe noch wesentlich konzentrierter vorzufinden sind. Man sagt ihr nach, die Wilde Möhre sei Darmfunktion regulierend, sie hemme Entzündungen und rege den Appetit und den Stoffwechsel an. Ihren Wurzeln dankt man aufgrund ihres Mineralstoff- und Vitaminreichtums für die positive Beeinflussung der Widerstandskraft gegen Infektionen im Magen-Darm-System, Erhöhung des Harntriebes, und der gesamten Reinigung des Organismus. Gerade den Darm gesund zu halten, dabei hilft das unscheinbare Kraut. Der Samen hat zudem positive Eigenschaften bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwierigkeiten. Ein Tee aus Samen oder wildem Kraut sind also recht schmackhaft und hilfreich für unseren gesunden Darm.

Diese Vertreter unserer wilden heimischen Pflanzenwelt, die unseren Darm positiv beeinflussen, kann man auf jeden Fall rund um Schwaigwall finden. Weitere sollen in Kürze vorgestellt werden. Viel Erfolg beim Spazieren und Aufspüren der Heilpflanzen!

Nicht alle können vegan

Meine gesamte Familie liebt Fleisch! Alle. Mein Mann, meine vier Kinder, unser Hund (auch darunter soll es Vegetarier oder sogar Veganer geben!). Ich bin eine klitzekleine Ausnahme, denn ich esse hin und wieder mal auch ein kleines Stück Hähnchenbrust oder Ähnliches, aber ich kann sehr gut ohne Fleisch leben. Auch auf´s Brot braucht es für mich keine Wurst. Beim Rest der Familie wird es schwierig, überhaupt mal die „Drei-Tage-Regel“ einzuhalten (an 3 Tagen in der Woche gibt es bei uns Fleisch in der Hauptmahlzeit, ansonsten versuchen wir es ohne). Irgendeiner nörgelt immer (außer eben der Hund – der bekommt sein Hundefutter mit mindestens 50% Fleischanteil).

Veganer oder Vegetarier verbrüdern sich da gern mit der Pflanzenwelt. Die machen es einem doch vor, dass man sich quasi von „Luft und Liebe“ ernähren kann. Das heißt für unsere Flora: ein bisschen Wasser, ein bisschen Kohlenstoffdioxid und so ein paar Nährsalze – das reicht, um stark und gesund zu bleiben. Stimmt ja auch, zumindest bei den meisten.

Aber ein paar Vertreter unserer heimischen Flora schaffen das tatsächlich nicht. Das sind wirklich toughe Burschen, alles andere als Weicheier, aber rein vegan, das geht in ihrem Lebensraum einfach nicht. Dazu fehlt in ihren meist sehr nassen Biotopen einfach der Stickstoff, der aus Quellmooren und Moorwiesen oft zu stark ausgewaschen wird.

Nicht umsonst werden sie im Fachchargon „Carnivoren“ (von lat. carnis = Fleisch, vorare = fressen, verschlingen) genannt. Das sind Pflanzen, die tierische Bestandteile (meist in Form von Einzellern oder Insekten; daher auch „Insektivoren“) zu sich nehmen müssen, um ausreichend mit Mineralstoffen versorgt zu sein. Die meisten kennen diese Pflanzen aus dem botanischen Garten oder aus dem Gartencenter, wo sie vermarktet werden. Und, wenn man sie dort betrachtet, muten sie geradezu exotisch an, überhaupt nicht so, dass man darauf kommen könnte, dass sie auch bei uns heimisch sein könnten.

Und doch – es gibt diese Exoten auch bei uns. Sonnentau (Drosera)z.B. darf man oftmals in Mooren bewundern, dort ziert er ganze Felder am Boden und es werden Stege gebaut, damit wir Trampel von Moorbesuchern, ihn nicht kaputt treten.

Ich dagegen bin in meinem sogenannten „El Dorado“ (eine meiner liebsten Wiesen nahe meines Wohnortes, eine Feuchtwiese, die ich nur vorsichtig vom Rand aus betrete und immer wieder neue und seltene Schönheiten entdecke) einem Gewöhnlichen Fettkraut (Pinguicula vulgaris) über den Weg gelaufen. Und der Name „gewöhnlich“ wird dieser außergewöhnlichen Pflanze eigentlich nicht gerecht:

Es handelt sich beim Fettkraut um ein Wasserschlauchgewächs (Lentibulariaceae), was besagt, dass die Pflanzen dieser Familie oftmals keine oder nur sehr mickrige Wurzeln haben, sondern aufgrund ihres nassen Lebensraumes oft nur Wasserschläuche ausbilden. Fettkräuter haben reduzierte Wurzeln und stellen innerhalb dieser Familie eher eine Ausnahme in ihrem Aussehen dar.

Das Fettkraut sondert auf seinen hellgrünen rosettenförmig angeordneten Blättern einen klebrigen Schleim ab, auf dem vorbeischlendernde Käfer, Spinnen, Grashüpfer, Fliegen… kleben bleiben. Mithilfe weiterer Drüsen, die Verdauungsenzyme an der Blattoberfläche abgeben, können die hängengebliebenen Insekten verdaut werden.

Beim Gewöhnlichen Fettkraut handelt es sich aufgrund seiner Seltenheit um eine streng geschützte Staude. Früher haben sich die Senner die Blätter der Pflanze zunutze gemacht, denn das enthaltenen Labenzym (mit dem verdaut wird) wurde zum Eindicken der Almmilch verwendet. Dabei wurde v.a. das weiß blühende Alpenfettkraut (Pinguicula alpina) verwendet, das man ab und an auch noch in den Bergen finden kann (leider habe ich bei meiner letzten Tour am Hochmiesing kein Photo gemacht!).

Das gemeine Bergvolk nutzte das Kraut in der Volksheilkunde früher auch als Wundheilmittel bei gesprungenen Lippen, Brüsten oder allgemein aufgesprungener Haut. Auch bei Gicht rieb man die Glieder mit Salben ein, in die Fettkraut gemischt war. Die wundheilenden Eigenschaften sind der Zimtsäure zuzuschreiben, die in den Blättern neben dem Labenzym und eiweißspaltenden Enzymen enthalten sind. Diese Säure wirkt sehr positiv auf die Haut.

Auch bei Lungenerkrankungen, Keuchhusten und Hustenkrämpfen setzte man getrocknete Bätter ein, allerdings fast immer in Verbindung mit Sonnentau. Daher ist heute nicht ganz klar, ob die ihm zugeschriebene positive Wirkung auf Reizhusten nicht eher dem Sonnentau zu verdanken ist. Da die Blätter zudem Scharf- und Bitterstoffe enthalten, soll das Kraut abführend wirken.

Weil es aber dank dieser starken Nutzung sehr selten geworden ist, steht es heute zurecht unter strengem Schutz. Was dieses Kraut jedoch so besonders macht, ist doch irgendwie seine absolute Seltenheit und v.a. seine Schönheit. Mit seinen hellgrünen fleischigen Blättern und seinen blauen, gespornten zarten Blüten, die sich ganz zurückhaltend in die Wiese recken, wirkt es in dem Wirrwarr aus Grashalmen und Nachbar-Kräutern fast ein bisschen feengleich auf seiner Moorwiese. Ich bin jedenfalls immer wieder froh und dankbar, dass ich diese seltene Schönheit fast direkt vor meiner Haustür bewundern kann!

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Mehr Pflanzenportraits gibt es hier.

Interview: „Was die Leute kennen, schützen sie auch“

Hier geht´s zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung…

Aber da dieser nur SZ-Abonenten zugänglich ist, darf ich den Inhalt des Interviews ab sofort auch hier abbilden:

Während der Pandemie haben Menschen vermehrt wild wachsende Pflanzen und Kräuter zum Kochen entdeckt. Wie schmackhaft das ist, weiß Caecilia Oponczweski aus Geretsried genau. Erst im Vorjahr hat  sich die gelernte Gartenbauingenieurin zur zertifizierten Wildkräuterpädagogin ausbilden lassen. In der Wachstumsphase sollte man nur Viehweiden meiden. Zudem kann die zunehmende Sammelleidenschaft in der Natur gefährlich werden. Vergiftungen haben heuer zugenommen. Erst kürzlich ist ein 48-jähriger Mann aus dem Landkreis Landshut in einer Münchner Klinik gestorben, weil er die hochgiftige Herbstzeitlose mit Bärlauch verwechselt und gegessen hat.

SZ: Frau Oponczewski, sollte man besser erst gar keine wilden Pflanzen  in der Natur zum Kochen zu sammeln?

Caecilia Oponczewski: Natürlich nicht. Eher im Gegenteil. Wir Kräuterpädagoginnen werben ja dafür, weil das gesund ist und schmeckt. Wichtig ist, dass man sich auskennt, sich ein bisschen mit der Flora beschäftigt. Es gibt gute Bestimmungsbücher und -apps. Generell sollte man  die Finger vom Sammeln lassen, wenn man sich nicht zu hundertprozentig sicher ist.

Sollte jeder interessierte Pflanzensammler also am besten erst eine Führung bei einer Kräuterpädagogin machen?

Das kann sicher nicht schaden. Grundsätzlich ist immer Vorsicht geboten. Ich kann keine Haftung übernehmen. Ich empfehle, sich jemand Erfahrenen in der Familie zu suchen, der sich schon lange mit Wildkräutern beschäftigt. Oft kommt unser Wissen ja von den Großmüttern, die damit aufgewachsen sind. Am besten lernt jeder durch Fühlen, Riechen und Schmecken.

Der Bärlauch soll  sich durch den Knoblauch-Geruch leicht identifizieren lassen.

Der Geruch wird dafür als Garant genannt. Wer aber ein Bärlauchblatt pflückt, hat den Geruch schon an den Fingern. Das kann man dann praktisch nicht mehr unterscheiden, wenn man weiter pflückt.

Verwechseln daher manche Menschen häufiger Herbstzeitlose mit Bärlauch?

Für den, der sich auskennt, ist es eher unwahrscheinlich beides zu verwechseln. Bärlauch wächst in großen Beständen im Wald. Die ersten Blätter kommen im März, April aus der Erde, gedeihen bis Juni. Später blühen sie, was nicht so gefragt ist. Dabei sind auch die Blüten essbar. Aus einer Bärlauch-Zwiebel entwickeln sich zwei deutlich gestielte Blätter. Bei der giftigen Herbstzeitlose sind es in der Regel drei bis vier Blätter, die aus einer Rosette ohne Stiel aus dem Boden wachsen. Die Herbstzeitlose wächst nicht in so großer Zahl und mehr am Waldrand und auf Wiesen.

Mit ein bisschen Umsicht lässt sich eine Verwechslung also vermeiden?

Am besten lässt man sich eine Stelle zeigen, wo Bärlauch wächst. Darauf kann man sich im nächsten Jahr verlassen. Verwechselt  wird der Bärlauch aber gerne mit den giftigen, in Laub- und Auwäldern vorkommenden Maiglöckchen. Deren Blätter sind eng zusammengerollt. Immer zwei Blätter kommen beim Maiglöckchen aus einer kantigen Scheide nach oben.

Die Natur hat gerade im Frühjahr sicher mehr zu bieten als nur Bärlauch.

Das ist eine ganze Menge. Löwenzahn zum Beispiel. Bis zu den Blüten ist eigentlich alles essbar. Im Mai und Juni kommt der Holunder. Die Mädesüß kann ich ähnlich wie die Holunderblüten etwa zu Sirup verarbeiten. Wer es würziger mag, greift zu Gundermann. Das passt gut zu italienischen Gerichten, etwa  auf die Pizza oder in den Salat. Ganz delikat sind die Samen des Spitzwegerich. Die sind wie kleine Nüsschen und schmecken angeröstet wunderbar. Man sollte aber auf die Dosierung achten. Wenn ich mehr als zehn Stiele Waldmeister in meine Maibowle mische, weiß ich dass die anschließenden Kopfschmerzen nicht allein vom Alkohol stammen.

Mit dem richtigen Pflanzenwissen kann jeder also einfach überall sammeln?

Generell sollte man nicht direkt an Wegrändern sammeln, weil dort viele Menschen mit Hunden unterwegs sind. Auch die  intensiv gedüngten Wiesen sollte man meiden.  Auch m Naturschutzgebiet sollte man das Sammeln lassen. Es ist ratsam, sich in der Gegend auszukennen. Wer pflückt, sollte nie mehr als einen Handstrauß an Pflanzen mitnehmen – der Natur und dem Eigentümer zuliebe.

Der Trend zum Sammeln von Wildkräutern ist also positiv?

Als Kräuterpädagogin sehe ich das natürlich gerne. In der Pandemie sind die Leute mehr zur Selbstversorgerrolle gezwungen und haben die Wildpflanzen für sich entdeckt. Solange die Menschen nicht maßlos sammeln, ist das zu begrüßen. Denn was die Leute kennen, das schützen sie auch.

Junge Bärlauchblätter in den Isarauen bei Geretsried

Ein Interview von Benjamin Engel aus der Süddeutschen Zeitung am 17.05.2021.

Winter-Baum-Wissen 3

Der Frühling zieht ein! Sollte man zumindest gerade meinen. Temperaturen um die 20°C, dazu Sonnenschein schmeicheln schon unserer Seele. Das warme Wetter lockt Tiere und Menschen aus ihren „Bauten“, es wird wieder eher hell und erst gegen 18 Uhr dunkel. Dazu hört man endlich auch morgens fleißig die Vögel zwitschern – herrlich!

Auch unsere Flora wird durch die wärmenden Sonnenstrahlen und milden Tag- und Nacht-Temperaturen aus der „Reserve“ gelockt. In anderen Gegenden sieht man sie sicher schon seit längerem, und endlich spitzeln auch bei uns im bayrischen Oberland die Schneeglöckerl, Winterlinge und Vorwitzchen mit ihren bunten Blüten aus der Versenkung. Warum also werden die Bäume noch nicht grün? Sie ahnen wohl, dass es hier nochmal ziemlich zapfig werden kann. Mit Schnee ist es bei uns sicher noch nicht vorbei – und solange die Bäume noch in Knospenruhe verharren, können wir uns ja noch ganz gemütlich etwas der Knospenkunde widmen.

Mit ihren stattlichen, enorm großen und dicken Knospen lässt sich die Rosskastanie (Aesculus hippocastaneus) auch schon von weitem recht gut erkennen. Sie sind mit großen glänzenden, braunen Schuppen ausgestattet, die, wenn es nun wärmer wird, auch ganz schön klebrig werden, da der Kitt-Harz sich bei den wärmeren Temperaturen verflüssigt. Auch die Verzweigung der Krone, die eher durch etwas stärkere Zweige (im Gegensatz zu feinen, dünnen Verästelungen) zu erkennen ist und richtig „wolkig“ wirkt, deutet in der Regel schon auf sie hin. Während wir die Kastanie an sich mit ihren Blättern, Blüten und Früchten nicht in der Küche verwenden sollten, da sie u.a. viele Saponine enthält, können die dicken Knospen durchaus auch in der Gemmotherapie genutzt werden. Eine Tinktur aus Kastanien-Knospen wirkt v.a. schleimlösend. Dies ist besonders bei Beschwerden der Atemwege wie Bronchitis oder Husten empfehlenswert. Dabei sollte mit dem verdünnten Extrakt gegurgelt werden. Äußerlich kann man aus der Tinktur Auflagen gegen Hämorrhoiden oder Krampfadern machen, bzw. das Ganze zur Salbe dafür verarbeiten.

Wer Allergiker ist, der weiß zumindest, dass der nächste Kandidat auch schon kräftig am Pollenflug beteiligt ist. An ihren „Würschteln“ und ihrem meist lichten ausladenden Wuchs erkennt man jetzt auch die Schwarzerle (Alnus glutinosa). Bei genauerer Betrachtung des winterlichen Baumes findet man eventuell auch noch das eine oder andere Zäpfchen aus dem Herbst, das typisch für die Erle ist. Sieht man an den Blüten-Kätzchen „vorbei“ – denn die Würschteln sind nichts anderes als ihre Blüten – erkennt man auch ihre Knospen, die deutlich gestielt sind (auch die sietlichen), und dazu mit rotbraunen, manchmal fast violetten großen Schuppen besetzt sind. So scheinen sie von außen nur von maximal zwei großen Schuppen umschlossen zu sein. Die Erlenknospen sitzen immer wechelseitig am Ast.

Die Knospen der Erle lassen sich sehr gut bei Haut-Beschwerden, wie der Gürtelrose äußerlich anwenden. Leidet man immer wieder an Erkältungen und grippalen Effekten, bzw. typischen Erkrankungen, die auf ein schwaches Immunsystem hindeuten, kann eine Therapie mit dem Schwarzerlen-Knospen-Extrakt ausgleichend und stärkend wirken.

Jetzt ebenso mit gelblich staubenden, proteinreichen Würstchen behangen, ist außerdem die Hasel (Corylus avellana). Einer der für mich „buntesten“ Bäume dieser frühen Zeit im Jahr, denn diese gelblichen Behangsel sind die durchaus hübsch anzusehenden männlichen Blüten der Hasel. Ihre weiblichen sind nicht minder schön, aber deutlich schwerer zu erkennen, denn sie sitzen versteckt in den Zweigachseln hinter den männlichen Kätzchen (die Frauen halten sich ja recht oft gern im Hintergrund). Die Blattknospen sind dabei also nicht wesentlich, um den ruhenden Baum zu erkennen. Sie sind wenig auffällige etwas bauchige Knospen, die mit rötlich-braunen Knospenschuppen besetzt auch immer wecheselständig an den Zweigen sitzen.

Will man eine Entschlackungskur im Frühjahr machen, ist man mit dem Knospen-Mazerat aus den Haselknospen bestens beraten. Es entsäuert unseren Körper bei regelmäßiger Anwendung von ein paar Tropfen verdünnt mit Wasser. Das Ganze sollte aber nür über einen Zeitraum von etwa 3 Wochen angewendet werden.

Ein weiterer Busch, der in der Volksmedizin mit seinen Blättern und Blüten unser Herz stärkt, lässt sich an seinem im Alter recht knorrigem Wuchs erkennen. Dass er zu den Rosengewächsen gehört, finde ich auch an der Art seiner Verzweigung recht erkenntlich. Die gerade abstehenden, oft mit kurzen Abständen versehenen Zweige, erinnern mich deutlich an einen Apfelbaum, der übrigens auch zu den Rosengewächsen gehört. Es handelt sich um den Weißdorn (Crataegus sp.). Wenn man seine Knospen etwas genauer betrachtet, erkennt man bauchige, leicht spitz zulaufende Naturwunder, deren Innerstes von rot-grünen Hüllschuppen geschützt ist. Je weiter das Frühjahr voranschreitet, werden die Spitzen dieser Knospen immer weißer, bevor sie aufbrechen. Wer einen Weißdorn direkt vor dem Fenster hat, dem geht sicher das Herz auf, wenn er ihn aus dem Winterschlaf erwachen sieht!

In der Knospen-Therapie bleibt der Weißdorn seiner bewährten Wirkung treu: Die ganze Pflanze ist einfach etwas für´s Herz! Er wirkt stärkend auf unseren Herzmuskel und dessen Gefäße und wirkt dadurch auch durchblutungsfördernd sowie vorbeugend gegen Gefäßverkalkung.

Zum Schluss noch ein weiterer farbiger, hübscher Winterbusch: seine roten Äste sind gerade in dieser grauen Jahreszeit oft ein Blickfang, und DAS Erkennungsmerkmal schlechthin: der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea). Seine Zweige bestechen durch ihre Schlankheit, während die ganze Pflanze meist auch einen breiten Habitus annehmen kann, wodurch eben diese schönen roten Farbtupfer in der winterlichen Landschaft entstehen. Der Rote Hartriegel ist ein weiterer Vertreter der Nudisten, was heißt, dass er seine zarten Blätter und Knospen in ihrer embryonalen Phase ohne schützende Decke in Form von Schuppen ans Licht schickt.

Aber ganz schutzlos schickt auch er seine Sprosse dann doch nicht an die kalte Luft. Durch die feine Behaarung wirken die Knospen des Roten Hartriegels silbrig. Sie sind ganz eng an den roten Zweig geschmiegt, was Kälteschüben zusätzliche Angriffsfläche verwehrt und stehen sich immer gegenüber.

Sein botanischer Name schickt auch schon eine Ahnung voraus (sanguinea von lat. sanguis = Blut), wohin die Wirkung der Knospen-Inhaltsstoffe führt: das Mittel aus Knospen, Alkohol und Glycerin wirkt blutverdünnend und damit auch gut gegen Gefäßverstopfung, und stärkt ebenso unser Herz.

Auch, wenn der Winter also eher eine ruhige, stade Jahreszeit ist und bleibt, kann einem Natur-Liebhaber bei solch vielen Eindrücken und verborgenen Schätzen in der Landschaft eigentlich nie fad werden! Brechen all die kleinen Energiebündel jetzt dann auf, beginnt ja schon fast der „Stress“ für die Kräuter-Kundigen, die versuchen, so viel wie möglich unserer wilden Schönheiten zu verarbeiten. Egal, ob Ihr nun zu denen gehört, die voller Vorfreude warten, oder der „Jede-Jahreszeit-Nutzen-Fraktion“ angehört – genießt es!

Kostbare Knospen

Wie in den letzten beiden Beiträgen bereits beschrieben, sind die Knospen unserer meisten heimischen Bäume und Sträucher essbar, wobei man es da natürlich bei einem kleinen Snack belassen sollte, anstatt einer großen gütlichen Mahlzeit („kost-bar!“). Erstens ist so ein geballtes Energie-Futter schwer verdaulich, und dann geht es natürlich auch darum, den Bäumen möglichst wenig ihrer wertvollen Vorräte zu stehlen.

In der Regel werden aus Knospen aber ganz andere Kostbarkeiten geholt, als „nur“ eine Zwischenmahlzeit. Über alkoholische Auszüge versucht man, ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu extrahieren, um sie sich für Gesundheit und Schönheit zu nutze zu machen. Dabei spricht man von den Knospen-Tinkturen bzw. Mazzeraten.

Ich habe mich auch an die Erstellung zweier Knospen-Tinkturen gewagt. Und zwar habe ich das nur mit den Knospen, die ich im Verschnitt unseres Waldes gefunden habe, gemacht: Buche (Fagus sylvatica) und Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Es eignen sich aber auch durchaus mehr bzw. andere Baumarten dafür. Man findet im Internet zahlreiche Tabellen, die Baum-/Strauch-Art mit ihrer Wirkung des Mazzerats in Verbindung setzen.

In dieser Zeit, wo unser Handel ziemlich brach liegt, musste ich auf die online-Bestellung der zugehörigen Materialien zurückgreifen. Für den alkoholischen Auszug benötigt man nämlich Ethanol und Glycerin, und das konnte (zumindest bei uns) nicht mal die Apotheke anbieten. Bei Knospen sollte man auf etwa 70%igen Ethanol gehen, da der Alkohol etwas konzentrierter sein muss, um die recht stabilen Knospen-Zellen „aufzubrechen“. Bei weicherem Gewebe – macht man z.B. einen Auszug aus Blüten – reicht z.B. auch nur ein Alkoholgehalt von 40%.

Zunächst werden die Knospen zerkleinert. Ich habe sie mit einem scharfen Messer gehackt. Diese kommen dann in ein kleines Schraubglas. Der Anteil Pflanzengewebe sollte für die Tinktur etwa zu einem Viertel des Gefäßes ausmachen. Dabei sollte man wirklich darauf achten, nur ein kleines Glas zu nehmen, denn es sollte maximal die Menge hergestellt werden, die man innerhalb eines Jahres verbrauchen kann. So lange ist die Tinktur haltbar.

Anschließend werden die Pflanzenteile mit der Alkohol-Lösung übergossen. Die 70%ige Alkohol-Lösung habe ich hergestellt aus einem Drittel 96%igem Weingeist (Ethanol), einem Drittel Glycerin und einem Drittel Wasser. Ist das Gefäß zu groß und oben noch reichlich Luft über der Tinktur, steigt die Gefahr, dass die Tinktur verdirbt.

Das Gemisch sollte an einem zimmerwarmen Ort aufgestellt werden, wo es keinem direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. So bleibt die Tinktur etwa 3 Tage bis 1 Woche stehen und sollte jeden Tag ein wenig geschwenkt werden, damit sich die gesättigte und die ungesättigte Lösung immer wieder durchmischen.

Nach dieser Zeit werden die Knospenteile abgesiebt. Und zwar mit einem feinen Sieb. Ich habe einfach einen Kaffe-Filter verwendet. Hat man so die reine Tinktur auf diese Art erhalten, sollte diese jetzt in einem braunen Gefäß aufbewahrt werden und ebenso dunkel gelagert werden, damit die lichtempfindliche Lösung nicht an Wirkung verliert.

Ganz wichtig: Das Gefäß muss sauber beschriftet werden, und zwar am besten mit allen relevanten Infos: welche Pflanze(nteile), Alkoholgehalt und Datum der Herstellung (also der Tag, an dem die Tinktur angesetzt wurde!).

Die selbst erstellte Hausmedizin aus Buchenknospen können Erwachsene bei allergischen Reaktionen einnehmen, wie sie jetzt dank des nahenden Frühlings durch Heuschnupfen „drohen“ (Hasel und Erle sind schon kräftig am Stauben!). Man nimmt 10 bis 20 Tropfen mit Wasser oder auf Zucker verdünnt, wenn man den Extrakt zur innerlichen Anwendung nützt. Bei allergischen Hautirritationen sind auch Umschläge möglich. Auch da wird das Tuch mit einer Lösung aus z.B. 0,5l Wasser und etwa 20-30 Tropfen getränkt aud aufgelegt.

Aus diesem Knospen-Extrakt kann man ebenso Salben und Cremes herstellen, die Hautausschläge lindern können, Falten lindern und Cellulite entgegenwirken. Da ich das für mich ausgesprochen nutzen kann, wird darüber demnächst auch noch berichtet.

Mit der Bergahorn-Tinktur kann ich nun mir und meiner Familie bei Muskelschmerzen und -verhärtungen abhelfen, und klappt es mit der Verdauung nicht so recht, sollte die Tinktur mir ihrer Wirkung wieder Schwung ins Gedärm bringen. Für letzteres nehmen wir das Gebräu eher oral ein, bei ersteren Beschwerden kann auch ein Bad helfen, mit einer Konzentration von ca. 50 Tropfen auf 1 l Wasser.

Na also, die jahreszeitliche Hausapotheke ist im Jahr 2021 hiermit aufgefrischt. Aber eigentlich wollen wir doch hoffen, dass die Medizin nicht allzu oft benötigt wird! In diesem Sinne: bleibt´s g´sund!

Winter-Baum-Wissen 2

Nun ist es nochmal so richtig richtig kalt geworden! Bei Temperaturen um die -10°C zeigt sich dann auch, welche Überlebensstrategie im Winter aufgeht – und welche nicht. Dass sich die Bäume in unseren Breiten also von verdunstendem Laub befreien, um den Sonnenstrahlen – die uns ja trotz Minusgraden noch erfreuen! – nicht völlig erbarmungslos ausgeliefert zu sein, macht also durchaus Sinn. Denn, was wir ein „Winter-Wunderland“ nennen, fein weiß bepuderte Äste, glitzernde Eiszapfen, eine glänzende Eisfläche und hell strahlende weiße Schnee-Flächen unter einem azur-blauen Himmel, bedeutet für unsere Tier- und Pflanzenwelt eine Bedrohung ihres Lebens und damit ihres Fortbestands.

Umso wichtiger scheint dabei also die richtige Strategie zu sein, die das Überleben sichert. Für Laubbäume bedeutet das, dass ihre Knospen, also die Energie-Ladeflächen für das Frühjahr und den Sommer, ausreichend mit Schuppen und Kitt-Harz vor dem Vertrocknen bei der klirrenden Kälte ausgestattet sind.

Bei meinen täglichen Streifzügen habe ich wieder ein paar Vertreter erkennen und bewundern gelernt. Einer davon: unsere gute deutsche Eiche (Quercus robur). Sieht man sich ihre Knospen etwas genauer an, erkennt man gleich das typisch gleichförmige Schuppenmuster, das auch die hübschen Hütchen ziert, in denen später die Früchte sitzen. Meist erkennt man an den Sprossspitzen eine größerem Endknospe umgeben von kleineren Seitenknospen (man nennt diese Anorndung „gehäuft“) und dann verlaufen die restlichen Knospen wechelständig am Zweig entlang Richtung Stamm.

Zu bedauerlich, dass ich davon keine Zweige gefunden habe! Hätte doch der letzte Sturm mir ein paar Äste am Boden beschert! Ein Auszug aus Eichenknospen gilt nämlich gemeinhin als Liebes- bzw. Potenzmittel! Naja, muss es eben ohne gehen… Aber nicht nur für die Liebe soll die Eiche gut sein. Wer unter niedrigem Blutdruck leidet, findet mit der Eiche auch Abhilfe. Zusätzlich kann es bei Überempfindlichkeiten und Allergien hilfreich sein, da das Mittel aus Eichenknospen eine ähnliche Wirkung wie Cortison hat.

In unserem Wald, in dem man vorzugsweise Buchen und Eichen findet, konnte ich glücklicherweise aber auch noch ein Exemplar finden, das man schon eher suchen muss. Da deren Knospen aber unverkennbar gefärbt sind, war es nicht allzu schwer: richtig, die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior). Sie ist schlicht der einzige heimische Baum mit schwarzen Knospen, und damit immer leicht zu identifizieren. Ihre Knospen haben eine kräftigende und vitalisierende Wirkung auf unseren gesamten Metabolismus und nehmen Entzündungen aus dem Körper. Auch für mehr Nervenstärke sind die schwarzen Knospen förderlich.

Ein Busch, der eigentlich schon allein seiner Wuchsform („Habitus“) wegen nicht schwer zu erkennen ist, zeigte mir jetzt Mitte Februar schon teilweise angetriebene Knospen: der Holler-Busch oder Schwarzer Holunder (Sambucus nigra). Seinen Wuchs macht die mehrstämmige Form aus, von denen die einzelnen Stämme bogig nach außen hängen und immer gegenständige Ästchen aufweisen. Die Knospen sind in der Regel dunkelrot bis braun, sitzen auch gegenständig in den Achseln der letztjährigen Äste und haben keine Schuppen. Sie sind also ganz und gar nackt! Ganz schön mutig bei diesen Temperaturen!

Und doch hat der Holunder (scheinbar) keine Schwieirgkeiten, um durch die hiesigen Winter zu kommen, sieht man ihn doch nahezu an jeder Ecke stehen, um uns im Frühjahr mit seinen üppigen duftenden Blütendolden zu erfreuen.

Den Holunder kennen wir als vielfach verwendetes Kraut in der Volksmedizin und auch für die Küche hält er ja so einiges parat: das fängt an bei den Blättern, geht sogar über die Rinde zu den Blüten und Früchten (mehr Infs zum Schwarzen Holunder gibt es übrigens hier und Rezepte sind dort zu finden). Seine Knospen werden – trotz ihrer Nacktheit – auch in der Gemmotherapie eingesetzt. Ähnlich seines Blättertees hat das Holler-Knospen-Mazerat reinigende bzw. entgiftende Eigenschaften. Es wirkt sich ausgleichend auf unser Immunsystem und unseren Stoffwechsel aus und kann zur Genesung bei rheumatischen Beschwerden sowie Bronchialleiden beisteuern. Stellt man aus dem Auzug eine Salbe zur äußerlichen Anwendung her, hilft und beruhigt sie bei unreiner Haut.

Mit neckischen Öhrchen grüßt daneben nicht der Osterhas`, sondern ein weiterer Busch, dessen Knospen so weiß und weich wie Schnee sind: der Wollige Schneeball (Viburnum lantana). Seine Knospen sind etwas für´s Auge – mehr sollten wir auch nicht herausholen. Der Wollige Schneeball ist giftig für den Menschen, dennoch hat er seinen Nutzen für die Tierwelt. Seine roten Beeren hängen oft noch im Winter an den Zweigen. Damit ist zum einen Winter-Nahrung ür die Vögel gesichert und zum anderen ein guter Nistplatz im Frühjahr, denn der Schneeball wächst dicht und schön breit ausladend.

Jetzt bleibt es also noch etwas mildere Temperaturen abzuwarten, dann kann man die Knospen-Schönheiten beim „Aufwachen“ bewundern!

Winter-Baum-Wissen 1

Auch wenn sich im Januar teilweise schon frühlingshafte Temperaturen haben spüren lassen, die einem so richtig die Lust auf den Schnee vergällen, sind wir immer noch mitten im Winter. Hier in Oberbayern zumindest. Hat man hier und da auch schon ein paar mutige, vorwitzige Austriebe von Brennnessel, Knoblauchrauke und Co. erspähen können, sind sie zwischenzeitlich auch wieder von Schnee bedeckt. Auf das große Ergrünen müssen wir allenfalls noch warten.

Und dennoch bietet die Pflanzenwelt draußen vor der Tür auch jetzt Möglichkeiten, aus ihr zu schöpfen. Die Laubbäume stehen noch kahl, aber sie stecken schon voll geballter Vorfreude: genau, in den Knospen! Diese kleinen Dinger sind wahre Wunderwerke der Natur!

Es ist doch absolut faszinierend, dass in so einer kleinen Knospe – nicht mal so groß wie ein Fingernagel! – das komplette Gewebe für Blüten, Blätter und Zweige – die später Ausmaße von mindestens einer Armlänge Pflanzengewebe im Sommer ausmachen – angelegt ist. Alles schon vorhanden! Nur extrem komprimiert!

Nicht verwunderlich also, dass dieses (fachmännisch ausgedrückt) Embryonalgewebe als sehr kraftvoll und heilsam gilt. Die sogenannte Gemmotherapie – also Therapie mit der Hilfe der Knospen (lat. gemma = Knospe, Auge, Edelstein) – in anderen teilen Europas längst und durchaus mehr angewandte Phytotherapie – bekommt auch bei uns zunehmend Anerkennung. Aufgrund Mangel an wissenschaftlichens Studien wird sie jedoch nur begleitend oder ergänzend zur Schulmedizin empfohlen.

Ich habe mich mal in unserem Wald umgesehen und das Erste, was bei der Beschäftigung mit Knospen klar wird – man muss die Laubbäume erstmal an den Knospen bzw. ihren Wintermerkmalen erkennen lernen.

Am einfachsten ist natürlich, einmal zu schauen: hängen vielleicht noch alte Blätter, Fruchtteile oder andere Erkennungsmerkmale am Baum? Dann lohnt sich sicherlich auch mal ein Blick auf den Boden – welche Blätter und Früchte liegen um den Baum herum? Und dann gibt es natürlich noch so eine Art Ausschlussverfahren: wer weiß, dass er sich in einem Buchenwald befindet, der wird eine Kastanie mittendrin von vornherein ausschließen können.

Bei uns gibt es eigentlich so gut wie nur Buchen-Mischwälder, also Wälder, in denen die Buche neben Fichten und Tannen der vorherrschende Laubbaum ist. Die Buche (Fagus sylvatica) gilt ja auch als „die Mutter des Waldes“, weil sie durch ihre ungeheure Blattmasse einen enormen Humusvorrat für den Wald erzeugt. Ihre Knospen sind eigentlich recht leicht zu erkennen: es sind die schlankesten und spitzesten Knospen unserer heimischen Bäume. Dadurch, dass sie so schlank sind, sind sie für ein Gemmo-Mazerat (also ein Knospen-Auszug mit Ethanol und Glycerin) leider nicht besonders ergiebig. Da ich aber keine Bäume schädigen wollte, habe ich schlicht aus einem Berg von Verschnitt, den der Förster wohl vorgenommen hat, seeehr lange ein paar Knopsen gesammelt.

Außerdem konnte ich einen gefällten Bergahorn (Acer pseudoplatanus) finden. Auch diesen armen Tropf habe ich ruhigen Gewissens um seine Knospen gebracht – er wird sie eh nicht mehr brauchen.

Zugegeben, diese beiden Kandidaten sind nicht unbedingt die „üblichen Verdächtigen“ bei der Herstellung von Knospen-Präparaten. In der Regel sind Pappel und Schwarze Johannisbeere die „Alleskönner“. Aber für den Anfang nimmt man doch am besten das, was gerade verfügbar ist; in meinem Fall die Buchen- und Ahorn-Knospen.

Ein Mazerat aus aus Buchenknospen wird beispielsweise bei Cellulite empfohlen. Es wirkt entgiftend, indem es die Leber und die Nieren anregt, zudem antiallergisch, und senkt den Cholesterin-Spiegel. Da kommt mir als erstes eine Salbe für die Cellulite in den Sinn… leider gehöre ich zu denen, die das gut vertragen könnten.

Über (Berg)Ahorn-Knospen ist weit weniger zu erfahren, da diese Pflanze eher seltener in der Anwendung ist. Er wird ebenso zur Senkung des Cholesterin-Spiegels eingesetzt, und hat zudem erweichende Eigenschaften, die sich auf Muskelverhärtungen, Gallensteine, Verstopfung, Adipositas und auch Arteriosklerose positiv auswirken. Auch damit könnte ich etwas anfangen.

Bis der Ethanol und das Glycerin verfügbar sind, um ein Mazerat herzustellen, lassen sich die Knospen einfach in einem Schraubglas im Garten oder auf dem Balkon aufheben (oder im Kühlschrank). Für ein paar Tage ist das vertretbar, ähnlich wie bei (Wild-)Kräutern.

Bleibt noch Zeit, ein paar weitere Baum-Vertreter und deren Knospen näher zu betrachten:

Die Linde (Tilia cordata) hat eine tief gefurchte Borke, ihre Knospen sind mehr knubbelig-dick und stets braun-rötlich bis zum frisch-grünen Austrieb im Frühjahr. Sie sitzen wechelständig am Zweig, wie die der Buche.

Die Walnuß (Juglans regia) erkennt man immer sofort an ihrem „Affengesicht“, das unterhalb der Achselknospe sitzt. Das Affengesicht ist im Grunde die Narbe des abgeworfenen Laubblattes, das zuvor in der Achsel saß. Damit ist es fast schon hinfällig, die silbrig-behaarten Endknospen zu beschreiben, die von ihren eher mit grün-braunen Knospenschuppen besetzten Seiten-Knospen am Zweig begleitet werden, und viel weniger auffällig sind, als dieses markante Abschlussgewebe.

Und dennoch ist es natürlich immer sicherer, wenn man Fach-Literatur zur Hand hat, und sich die Pflanze auch als Ganzes ansieht, damit man am Ende nicht doch noch einer Verwechslung aufliegt. Im Internet findet man zahllose „Schnellbestimmungs-Schlüssel“, die sich zur groben Einordnung zumindest ganz gut eignen.

Sollte dennoch Unsicherheit bestehen, lässt man der Pflanze lieber die Knospen, und stellt lieber ganze Zweige in eine Vase. Dann ist es auch eine schöne Überraschung, wenn die Knospen später aufbrechen und schöne, dekorative Blätter (und vielleicht auch Kätzchen und Blüten) enthüllen.

In jedem Fall sollte man die Knospen immer lieber von frischem Verschnitt – und davon findet man in Wald und Flur jetzt wirklich reichlich – als von den lebenden Bäumen brechen. Während man sich selbst „nur“ eine Verbesserung kleiner Wehwehchen davon versprechen kann oder einen kleinen Snack, bedeutet es für die Pflanze den Verlust von sehr viel Arbeit und Energie, die sie in die Entwicklung der Knospen investiert hat.

Frische gegen den Winterblues

Puh, selbst wenn der Winter sich bei uns hierzulande gern auch von seiner weißen und sonnigen Seite zeigt, bleiben die Tage mit „Winterblues“ nicht aus. Trübe und graue Tage gibt natürlich auch. Und wenn dann vielleicht noch der Schnee ein wenig gewichen ist und den Blick auf den winterlichen Waldboden frei gibt, lohnt sich schon mal ein Blick nach unten. Denn gerade, wenn sich der Trübsinn einstellt, können frisches Grün und Vitamine vom Wegesrand besonders wohltuend auf Körper und Geist wirken. Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) und Giersch (Aegopodium podagraria) habe ich leider noch nicht gefunden, dafür konnte ich die ersten Triebspitzen der Brennnessel (Urtica dioica), teilweise versteckt zwischen altem modrigen Laub und ein paar immergrünen Efeublättern finden. Welche Freude, die Königin der Kräuter lässt sich schon am 1.Februar blicken! Wie es sich eben für eine Königin gebührt, zeigt sie sich schon früh im Jahr ihren Untertanen!

Ganz weich und samtig, noch gar nicht „stachelig“ oder gar brennend, fühlen sich die frisch-grünen, leicht rot angelaufenen Blätter an. Die rote Färbung haben die Blättchen als Sonnenschutz, da es um diese Jahreszeit noch wenig Schatten durch die Bäume gibt und die Sonne die jungen Blätter sonst leicht verbrennen könnte. Man muss ein bisschen suchen, aber wenn man ihre Standorte vom Vorjahr kennt, weiß man, wo man suchen soll. Sind die Blättchen und Triebe vorsichtig abgepflückt, nimmt man schon den vertrauten Brennnessel-Geruch wahr, etwas waldig und herzhaft-bitter. Kein Zweifel, dass ich die Brennnessel gefunden habe, keinen ungenießbaren Vertreter.

Da die Brennnessel ja bekanntlich ein paar Triebe einbüßen kann, ohne größere Schäden davon zu tragen, nehme ich eine Handvoll Blättchen mit nach Hause, um der Familie ein bisschen frische Vitamine unter´s Mittagessen „unterzumogeln“. Denn Vitamine hat sie reichlich: A, B, C und E, auch Flavonoide, Carotinoide, Gerbstoffe, und Mineralien wie Eisen, Kalium, Magnesium, Silicium (in Form der löslichen Kieselsäure), sowie Natrium machen sie zu einem wahren Gesundheits-Booster – gerade nach der licht- und vitaminarmen Jahreszeit. Bei uns gibt es heute

Dinkel-Laugen-Brezen mit Kräuterquark

Für unseren 6-Mann-Haushalt habe ich verwendet:

Für die Brezen:

  • 1 kg Dinkelmehl (man kann aber auch einfach Weizenmehl verwenden; ich hatte einfach gerade nur viel Dinkelmehl vorrätig, weil ich gern abwechsle)
  • 1 Würfel Hefe (oder 2 Päckchen Trockenhefe)
  • 2 TL Salz
  • 1 Prise Zucker
  • 1/2 l lauwarmes Wasser
  • 50 g Haushaltsnatron
  • ca. 1 1/2 l Wasser für die Lauge
  • grobes Salz zum Bestreuen

Für den Kräuterquark:

  • 250 g Magerquark (geht auch die 40%-Fett-Variante; ich schau nur immer a bisserl auf die Kalorien…)
  • 3 EL Buttermilch
  • 3 Lauchzwiebeln
  • 1 Handvoll frische Petersilie (zugegeben, meine ist aus dem Supermarkt, aus Italien importiert, die ganz umweltbewussten Oekomamas haben sie sicherlich aus der Tiefkühlung aus dem eigenen Garten)
  • 1 Handvoll frische Brennnessel-Blätter
  • (ich habe noch 1TL Bärlauch-Petersilien-Pesto aus dem Vorrat genommen; man kann auch anderes Pesto oder Würzpasten nach Belieben zufügen)
  • 1 EL Zucker
  • Salz, Pfeffer nach Belieben

Die Hefe wird zunächst mit etwas lauwarmen Wasser und dem Zucker angerührt. In die große Teigschüssel gibt man das Salz und das Mehl. Wenn die Hefe sich gut aufgelösthat, gibt man das Gemisch zum Mehl und fängt an zu rühren bzw. zu kneten. Auch das restliche Wasser wird zugegeben. So entsteht der Hefeteig. Diesen lässt man zugedeckt für mind. 1 h an einem warmen Ort gehen.

In der Zwischenzeit werden die Zwiebeln fein geschnitten und die Kräuter fein gehackt. Der Quark wird mit der Buttermilch cremig gerührt und anschließend alle Gewürze untergemischt. Mit Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken.

Nun den Ofen auf 220°C Umluft vorheizen und mit Backpapier belegte Backbleche bereitstellen. In einem großen Topf das Wasser für die Lauge zum Kochen bringen.

Der Hefeteig wird nun in 10-12 gleich große Portionen geteilt. Diese Teiglinge zu Würsten formen, die in der Mitte etwas dicker sind und an den Enden dünner auslaufen. Die typische Brezenform mit dem Knoten in der Mitte formen. Wenn das Wasser kocht, den Natron zufügen und die rohen Brezen einzeln mit einer Schaumkelle in die Lauge tauchen. Kurz in der kochenden Lauge schwimmen lassen und wieder abseihen. Die gelaugten Teiglinge auf ein Backblech geben und mit grobem Salz nach Belieben bestreuen. Sie sollten auf dem Blech nicht dicht an dicht liegen. Zum Schluss die Brezen ca. 15 bis 20 Minuten auf mittlerer Schiene backen.

Wer liebt nicht warme, frische Brezen? Die warmen duftenden Brezen mit dem erfrischenden Kräuterquark servieren und am besten in guter Gesellschaft genießen!

Ich gebe zu, meine Gesellschaft musste ich mir schlussendlich „gut“ reden, denn wer kennt sie nicht, die Kinder, die IMMER etwas zu nörgeln haben? Dem einen waren zu viele Zwiebeln im Quark, der nächste deklarierte, er esse Brezen sowieso IMMER NUR mit Butter… noch dazu sehen die selbst gebackenen Brezen (natürlich!) nicht aus, wie die beim Bäcker!

Na gut, mir schmeckt´s trotzdem und der Duft von Brezen und einem kleinen Hauch von Frühling (durch die frischen Brennnesselblätter) hat trotzdem ein bisschen gegen den Winterblues geholfen! Hoffentlich hilft´s Euch ebenso beim Nachkochen!

Ihr findet das Rezept für 4 Personen auch hier.

Noch mehr Rezepte gibt es außerdem auf dieser Seite.

(Sport)Verletzungen auskurieren

Nicht immer stellt sich nach der „Aktiven Zeit“ oder Sporteinheit das bekannte, gute Gefühl ein. Wer öfter eine Stunde im Fitness-Studio oder eine Stunde Walken oder oder… (es trifft für alle Sportarten oder Bewegungseinheiten zu) hinter sich hat, der kennt sicher hinterher das sehr angenehme Gefühl, „fleißig“ gewesen zu sein, die Grenzen des Körperlichen bzw. überhaupt den Körper intensiver zu spüren. Dieses Gefühl kann etwas getrübt sein, wenn man sich dabei verletzt hat bzw. wenn sich „erste Verschelißerscheinungen“ (ich könnte heulen, aber es lässt sich nunmal nicht leugnen, dass ich alt werde…) nach der Bewegungseinheit zeigen.

Jammern hilft in diesem Fall ja bekanntlich gar nichts. Nicht wahrhaben wollen und einfach genauso weitertrainieren, geht auch gerne mal nach hinten los (dann wird die Trainingspause noch länger…). Was kann man also tun? Auskurieren, klar. Manchmal mit Hilfe eines Arztes, wenn es schwerwiegend ist. Oft reicht bei überreizten oder überbeanspruchten Muskeln aber auch ein kühlender Umschlag oder ein wärmendes Bad mit entzündungshemmenden Kräutern.

Vor unserer Haustür können wir oftmals leicht geeignete Kräuter für solcherlei Anwendungen finden. Beispielsweise Beinwell, der – wie der Name schon sagt – von alters her gerne zur Behandlung von Beinfrakturen verwendet wurde. Wer jetzt noch Blätter des Beinwells findet, kann sich aus den Blättern, die mit einem Nudelholz ein bisschen aufgeweicht (er hat ja recht borstige Blätter) und die Pflanzenzellen aufgedrückt wurden, einen kühlenden Umschlag bereiten. Auf die Blätter noch ein feuchtes Tuch auflegen, und ein paar Stunden wirken lassen.

Der Brennnessel wird heilende Wirkungen bei rheumatischen Beschwerden nachgesagt. Leicht entzündete Sehnen, Bänder oder Gelenke quittieren einen Umschlag aus den Brennnesselblättern oder ein Bad im Brennnesselblätter-Tee ebenso mit einer Linderung der Schwellung und der Schmerzen. Dazu aber bitte die Blätter ebenso vorher in einem Küchentuch und mit einem Nudelholz anquetschen – damit sind die Brennhaare kaputt und der heilende Pflanzensaft kann austreten und an der betroffenen Körperstelle ansetzen. (Ohne vorheriges Ausquetschen wird dann wohl der Gelenk-Schmerz vom Brennen der Pusteln abgelöst, kann ja beim einen oder anderen auch hilfreich sein…)

Recht einfach und schnell zubereitet ist auch eine Tinktur aus Rosmarin aus dem hauseigenen Garten. Diese Lösung hemmt Schwellungen und lindert Schmerzen, wenn man die betroffenen Stellen drei mal täglich damit einreibt. Dabei aber bitte eine Ziehzeit von 3 Wochen beachten! In diesem Fall ist es besser, eine Tinktur für die Hausapotheke vorbeugend zuzubereiten.

Wenn man dann für kurze Zeit eine Trainingspause einlegen muss, es einen aber (so wie mich) fast täglich nach draußen zieht, reicht ja auch meist schon ein schöner Spaziergang. Gerade jetzt, wo es herbstelt, sind das Farbenspiel der Herbstblätter, die roten und schwarzen Früchte und Beeren, sowie die braunen, mal kugeligen, mal rau-zackigen Samen ja eine echte Augenweide. Nebenbei werden auch unsere Ohren vom Rascheln der Blätter und dem Knacken der Bucheckern unter unseren Schuhen umschmeichelt. Und damit wir mit allen Sinnen genießen können, sollte der Herbstspaziergang idealerweise doch den modrigen, pilzigen Geruch des feucht-frischen Waldbodens, sowie ein paar Handschmeichler wie Kastanien mit einbeziehen. Meinen Spaziergang runde ich dann sehr gerne noch mit frischen Haselnüssen oder ein paar Buchecker-Samen ab (eine Handvoll ist für einen Erwachsenen unbedenklich), dann hat auch der Gaumen etwas davon.

Endlich wieder ein „reiches Nuss-Jahr“

Was damit gemeint ist? Wer die Natur ein wenig durchs Jahr beobachtet, hat festgestellt: letztes Jahr gab es kaum Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern oder Eicheln. Mit nussigen Genüssen kam man letztes Jahr nicht so weit. Dafür haben wir dieses Jahr wieder Glück: ein „reiches Nuss-Jahr“! Damit sollte sich doch etwas anfangen lassen!

Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dieses Jahr um ein sogenanntes „Mastjahr“. Unsere Bäume v.a. in Wald und Flur tragen nicht jedes Jahr gleich viele Früchte. Jahre, in denen Kastanien, Eicheln und Bucheckern zu Hauf vorhanden sind, nennt man Mastjahre. Dieser Name beruht auf Zeiten, als die Bauern ihre Schweine noch in den Wäldern hielten. Gab es Jahre mit vielen Früchten am Boden, fanden die Tiere mehr Futter, daher der Begriff „Mastjahr“.

Mastjahre gibt es regelmäßig. Bei Buchen sagt man, kommen sie alle drei bis sechs Jahre vor, bei Eichen nur alle sechs bis zwölf Jahre. Für Linde und Kastanie gilt sogar ein dreijähriger Rhythmus. Dabei wurde beobachtet, dass sich die Mastjahre in den letzten Jahren häufen, also der Rhythmus kürzer wurde.

Natürlicherweise entsteht dieser Rhythmus durch die Verteilung an Nährstoffen und Nährelementen, die der Baum gespeichert hat. Legt der Baum davon viele in Blüten an und können sich diese ohne Spätfrst ausreichend entwickeln, gibt es viele Früchte. Dadurch hat der Baum aber im Folgejahr etwas weniger an Ressourcen zur Verfügung, wodurch es weniger Blüten und weniger Früchte gibt. So entsteht für jede Baumart ein arttypischer Mastjahr-Rhythmus.

Als einer der Gründe für die vermehrten Mastjahre wird der Klimawandel genannt. Häufigere Spätfröste und sehr warme und trockene Sommer begünstigen die Mast. Einerseits gut für die Bäume, denn sie können mehr Sprösslinge in die Welt setzen. Andereseits haben sie einen deutlich höheren Energiebedarf durch die ständige Mast.

Wer Genüsse direkt vor der Hasutür finden will, der kann sich jedenfalls dieses Jahr wieder einer reichen Ernte erfreuen. Ich habe mal mit den Haselnüssen angefangen. Sie haben ein besonderes Aroma, die Kautätigkeit regt auch die Hirntätigkeit an (daher sind sie im Studentenfutter sehr beliebt) und sie sind reich an Fetten, Zucker, Eiweiß, Vitaminen, sowie Mineralstoffen wie Calzium, Magnesium, Mangan, Silizium, Phosphor und Kalium. Kinder (und nicht nur die!) haben eine helle Freude, die Nüsse direkt vom Baum zu pflücken, zu knacken und einfach roh zu naschen. Aber sie eignen sich auch hervorragend für die Küche! Mischt man z.B. ein paar Karotten dazu, bekommt man einen wunderbar aromatischen Rübli-Kuchen. Ein feiner Ge-Nuss am herbstlichen Nachmittag! Hier geht´s zum Rezept.