Wildkräuter für einen ruhigen Darm

Teil 1

Vor kurzem bat mich ein guter Bekannter, ob ich mit ihm eine Kräuterwanderung zum Thema gesunder Darm machen könnte. Gern habe ich mich dieser Aufgabe gewidmet. Natürlich bedarf so ein Spaziergang einiger Vorarbeit: welche Kräuter eignen sich für dieses Thema? Wo finde ich die Kräuter in näherer Umgebung? Ist eine Route erstellbar, auf der alle diese Wildkräuter zu finden sind?

Gerade die richtige Route stellte eine echte Herausforderung dar. Aber letztlich hat es geklappt, und (fast) alle Kräuter, die Ihr hier lesen könnt, kann man auf einem schönen Spaziergang nach Schwaigwall bei Geretsried finden. Beziehungsweise, vielleicht kann man sie auch alle finden, und ich habe sie nur nicht alle entdeckt… vielleicht hat jemand mehr Glück?

Wer sich schon ein bisschen mit dem Thema Gesunder Darm auseinandergesetzt hat, wird von drei Begriffen bereits gehört haben: Basische Ernährung, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Auf die basische Ernährung soll nur insoweit eingegangen werden, dass viele Lebensmittel, gerade aus dem Convenience-Food-Bereich, in unserem Verdauungstrakt Säure-Bildung verursachen und damit ein gesunder Säure-Basen-Haushalt gestört sein kann. Es empfiehlt sich daher, eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln zu bevorzugen.

Heilpflanzen mit einem hohen Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen unsterstützen dabei dann zusätzlich eine gesunde Darmflora. Bitterstoffe sorgen für eine erhöhte Produktion von Speichel, Magensaft und Bauchspeicheldrüsensaft und sind somit Treibstoff für die Verdauung. Sie fördern den Stoffwechsel und regen der Appetit an. „Was bitter im Mund, ist im Magen gesund.“ kann man sich dazu ganz gut merken.

Gerbstoffe helfen dabei, Schadstoffe im Körper zu binden und auszuscheiden und reinigen die Darmschleimhaut. Die Pflanzen besitzen sie in erster Linie als Fraßschutz, aber für unseren Körper tun sie dabei viel Gutes.

Der Löwenzahn ist eine der bekanntesten Pflanzen, die reich an Bitterstoffen ist. Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Taraxacum officinale enthält v.a. in seinem weißen Milchsaft viele Bitterstoffe, die ihn extrem bitter schmecken lassen. Das verschmähen die meisten, v.a. Kinder. Man kann sich die wertvollen Stoffe aber trotzdem holen, indem man sich aus Pflanzenteilen einen Tee bereitet. Dabei eignen sich v.a. Wurzel und Blätter, die man getrocknet oder frisch zum Tee verarbeiten kann. Natürlich braucht man von frischem Kraut etwas mehr als von getrockneter Droge, da die Stoffe weniger konzentriert sind. Sollte das geschmacklich immer noch nicht überzeugen, helfen oft Mischungen mit Melisse oder Minze, dazu gerade bei Kindern ein kleiner Löffel Honig.

Seine gallebildende und gallenflussfördernde, sowie nierenanregende, leberstärkende Eigenschaften hat das Bundesgesundheitsamt einst bestätigt und nannte zur Anwendung weiterhin Probleme im Magen-Darm-Bereich wie Völlegefühl oder Blähungen.

Ein Kraut derselben Familie, nämlich der Korbblütler, erkennen wir besonders häufig an seinen im Hochsommer intensiv blau blühenden Blüten: die Wegwarte oder Zichorie. Das Kraut mit dem botanischen Namen Cichorium intybus enthält in Blatt- und Stengelteilen sowie in der Wurzel reichlich Bitter- und Gerbstoffe, welche man auch ausgezeichnet zu Tee verarbeiten kann. Der Tee ist seit langem für seinepositive Wirkung zur Kräftigung, zur Stoffwechelsanregung bekannt. Er ist zudem harn- und galletreibend und fördert die Verdauung. Eine Studie der Uni Jena ergabaußerdem, dass alle Verwandten der Wegwarte (Chicoree, Endivie, Radicchio) unsere Darmzellen und krebsabwehrende Bakterien in unserem Verdauungstrakt stärken.

Eine ebensfalls sehr häufig anzutreffende Heilpflanze für unseren Darm ist die Schafgarbe, oder Achillea millefolium. Sie gehört ebenso zu den Korbblütlern und wird besonders gern als Gewürz fettreicher Fleischgerichte verarbeitet. Das hat nicht nur einen geschmacklichen Grund, sondern auch einen gesundheitlichen: Durch die Beigabe von Schafgarben-Kraut wird die Verdaulichkeit verbessert. Dank der enthaltenen Gerbstoffe, Flavonoide, den Bitterstoffen Achillein und Moschatin wirkt die Pflanze entkrampfend und beruhigend auf den Darmtrakt und fördert gleichzeitig die Galleabsonderung. Damit haben Blähungen weniger Chancen und der zu verdauuende Nahrungsbrei „flutscht“ besser. Man kann sich einen Tee aus Kraut und Blüten herstellen oder das Kraut wie beschrieben gehackt zum Essen hinzufügen.

Wer kennt die alte Tradition nicht, Kleinkindern bzw. Säuglingen mit Verdauungsstörungen mageren Karottenbrei zu verabreichen? Dies empfiehlt sogar die Schulmedizin. Eher an den ähnlich anmutenden Blättern als an ihrer Wurzel würde man die Verwandtschaft der Wilden Möhre zu unserer kultivierten Karotte anerkennen. Dennoch haben unsere Gemüsekarotten all ihre guten Eigenschaften ihrer wilden Ur-Mutter (Daucus carota) zu verdanken, in der die gesunden Inhaltsstoffe noch wesentlich konzentrierter vorzufinden sind. Man sagt ihr nach, die Wilde Möhre sei Darmfunktion regulierend, sie hemme Entzündungen und rege den Appetit und den Stoffwechsel an. Ihren Wurzeln dankt man aufgrund ihres Mineralstoff- und Vitaminreichtums für die positive Beeinflussung der Widerstandskraft gegen Infektionen im Magen-Darm-System, Erhöhung des Harntriebes, und der gesamten Reinigung des Organismus. Gerade den Darm gesund zu halten, dabei hilft das unscheinbare Kraut. Der Samen hat zudem positive Eigenschaften bei Appetitlosigkeit und Verdauungsschwierigkeiten. Ein Tee aus Samen oder wildem Kraut sind also recht schmackhaft und hilfreich für unseren gesunden Darm.

Diese Vertreter unserer wilden heimischen Pflanzenwelt, die unseren Darm positiv beeinflussen, kann man auf jeden Fall rund um Schwaigwall finden. Weitere sollen in Kürze vorgestellt werden. Viel Erfolg beim Spazieren und Aufspüren der Heilpflanzen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s