Kostbare Knospen

Wie in den letzten beiden Beiträgen bereits beschrieben, sind die Knospen unserer meisten heimischen Bäume und Sträucher essbar, wobei man es da natürlich bei einem kleinen Snack belassen sollte, anstatt einer großen gütlichen Mahlzeit („kost-bar!“). Erstens ist so ein geballtes Energie-Futter schwer verdaulich, und dann geht es natürlich auch darum, den Bäumen möglichst wenig ihrer wertvollen Vorräte zu stehlen.

In der Regel werden aus Knospen aber ganz andere Kostbarkeiten geholt, als „nur“ eine Zwischenmahlzeit. Über alkoholische Auszüge versucht man, ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu extrahieren, um sie sich für Gesundheit und Schönheit zu nutze zu machen. Dabei spricht man von den Knospen-Tinkturen bzw. Mazzeraten.

Ich habe mich auch an die Erstellung zweier Knospen-Tinkturen gewagt. Und zwar habe ich das nur mit den Knospen, die ich im Verschnitt unseres Waldes gefunden habe, gemacht: Buche (Fagus sylvatica) und Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Es eignen sich aber auch durchaus mehr bzw. andere Baumarten dafür. Man findet im Internet zahlreiche Tabellen, die Baum-/Strauch-Art mit ihrer Wirkung des Mazzerats in Verbindung setzen.

In dieser Zeit, wo unser Handel ziemlich brach liegt, musste ich auf die online-Bestellung der zugehörigen Materialien zurückgreifen. Für den alkoholischen Auszug benötigt man nämlich Ethanol und Glycerin, und das konnte (zumindest bei uns) nicht mal die Apotheke anbieten. Bei Knospen sollte man auf etwa 70%igen Ethanol gehen, da der Alkohol etwas konzentrierter sein muss, um die recht stabilen Knospen-Zellen „aufzubrechen“. Bei weicherem Gewebe – macht man z.B. einen Auszug aus Blüten – reicht z.B. auch nur ein Alkoholgehalt von 40%.

Zunächst werden die Knospen zerkleinert. Ich habe sie mit einem scharfen Messer gehackt. Diese kommen dann in ein kleines Schraubglas. Der Anteil Pflanzengewebe sollte für die Tinktur etwa zu einem Viertel des Gefäßes ausmachen. Dabei sollte man wirklich darauf achten, nur ein kleines Glas zu nehmen, denn es sollte maximal die Menge hergestellt werden, die man innerhalb eines Jahres verbrauchen kann. So lange ist die Tinktur haltbar.

Anschließend werden die Pflanzenteile mit der Alkohol-Lösung übergossen. Die 70%ige Alkohol-Lösung habe ich hergestellt aus einem Drittel 96%igem Weingeist (Ethanol), einem Drittel Glycerin und einem Drittel Wasser. Ist das Gefäß zu groß und oben noch reichlich Luft über der Tinktur, steigt die Gefahr, dass die Tinktur verdirbt.

Das Gemisch sollte an einem zimmerwarmen Ort aufgestellt werden, wo es keinem direktem Sonnenlicht ausgesetzt ist. So bleibt die Tinktur etwa 3 Tage bis 1 Woche stehen und sollte jeden Tag ein wenig geschwenkt werden, damit sich die gesättigte und die ungesättigte Lösung immer wieder durchmischen.

Nach dieser Zeit werden die Knospenteile abgesiebt. Und zwar mit einem feinen Sieb. Ich habe einfach einen Kaffe-Filter verwendet. Hat man so die reine Tinktur auf diese Art erhalten, sollte diese jetzt in einem braunen Gefäß aufbewahrt werden und ebenso dunkel gelagert werden, damit die lichtempfindliche Lösung nicht an Wirkung verliert.

Ganz wichtig: Das Gefäß muss sauber beschriftet werden, und zwar am besten mit allen relevanten Infos: welche Pflanze(nteile), Alkoholgehalt und Datum der Herstellung (also der Tag, an dem die Tinktur angesetzt wurde!).

Die selbst erstellte Hausmedizin aus Buchenknospen können Erwachsene bei allergischen Reaktionen einnehmen, wie sie jetzt dank des nahenden Frühlings durch Heuschnupfen „drohen“ (Hasel und Erle sind schon kräftig am Stauben!). Man nimmt 10 bis 20 Tropfen mit Wasser oder auf Zucker verdünnt, wenn man den Extrakt zur innerlichen Anwendung nützt. Bei allergischen Hautirritationen sind auch Umschläge möglich. Auch da wird das Tuch mit einer Lösung aus z.B. 0,5l Wasser und etwa 20-30 Tropfen getränkt aud aufgelegt.

Aus diesem Knospen-Extrakt kann man ebenso Salben und Cremes herstellen, die Hautausschläge lindern können, Falten lindern und Cellulite entgegenwirken. Da ich das für mich ausgesprochen nutzen kann, wird darüber demnächst auch noch berichtet.

Mit der Bergahorn-Tinktur kann ich nun mir und meiner Familie bei Muskelschmerzen und -verhärtungen abhelfen, und klappt es mit der Verdauung nicht so recht, sollte die Tinktur mir ihrer Wirkung wieder Schwung ins Gedärm bringen. Für letzteres nehmen wir das Gebräu eher oral ein, bei ersteren Beschwerden kann auch ein Bad helfen, mit einer Konzentration von ca. 50 Tropfen auf 1 l Wasser.

Na also, die jahreszeitliche Hausapotheke ist im Jahr 2021 hiermit aufgefrischt. Aber eigentlich wollen wir doch hoffen, dass die Medizin nicht allzu oft benötigt wird! In diesem Sinne: bleibt´s g´sund!

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