Winter-Baum-Wissen 2

Nun ist es nochmal so richtig richtig kalt geworden! Bei Temperaturen um die -10°C zeigt sich dann auch, welche Überlebensstrategie im Winter aufgeht – und welche nicht. Dass sich die Bäume in unseren Breiten also von verdunstendem Laub befreien, um den Sonnenstrahlen – die uns ja trotz Minusgraden noch erfreuen! – nicht völlig erbarmungslos ausgeliefert zu sein, macht also durchaus Sinn. Denn, was wir ein „Winter-Wunderland“ nennen, fein weiß bepuderte Äste, glitzernde Eiszapfen, eine glänzende Eisfläche und hell strahlende weiße Schnee-Flächen unter einem azur-blauen Himmel, bedeutet für unsere Tier- und Pflanzenwelt eine Bedrohung ihres Lebens und damit ihres Fortbestands.

Umso wichtiger scheint dabei also die richtige Strategie zu sein, die das Überleben sichert. Für Laubbäume bedeutet das, dass ihre Knospen, also die Energie-Ladeflächen für das Frühjahr und den Sommer, ausreichend mit Schuppen und Kitt-Harz vor dem Vertrocknen bei der klirrenden Kälte ausgestattet sind.

Bei meinen täglichen Streifzügen habe ich wieder ein paar Vertreter erkennen und bewundern gelernt. Einer davon: unsere gute deutsche Eiche (Quercus robur). Sieht man sich ihre Knospen etwas genauer an, erkennt man gleich das typisch gleichförmige Schuppenmuster, das auch die hübschen Hütchen ziert, in denen später die Früchte sitzen. Meist erkennt man an den Sprossspitzen eine größerem Endknospe umgeben von kleineren Seitenknospen (man nennt diese Anorndung „gehäuft“) und dann verlaufen die restlichen Knospen wechelständig am Zweig entlang Richtung Stamm.

Zu bedauerlich, dass ich davon keine Zweige gefunden habe! Hätte doch der letzte Sturm mir ein paar Äste am Boden beschert! Ein Auszug aus Eichenknospen gilt nämlich gemeinhin als Liebes- bzw. Potenzmittel! Naja, muss es eben ohne gehen… Aber nicht nur für die Liebe soll die Eiche gut sein. Wer unter niedrigem Blutdruck leidet, findet mit der Eiche auch Abhilfe. Zusätzlich kann es bei Überempfindlichkeiten und Allergien hilfreich sein, da das Mittel aus Eichenknospen eine ähnliche Wirkung wie Cortison hat.

In unserem Wald, in dem man vorzugsweise Buchen und Eichen findet, konnte ich glücklicherweise aber auch noch ein Exemplar finden, das man schon eher suchen muss. Da deren Knospen aber unverkennbar gefärbt sind, war es nicht allzu schwer: richtig, die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior). Sie ist schlicht der einzige heimische Baum mit schwarzen Knospen, und damit immer leicht zu identifizieren. Ihre Knospen haben eine kräftigende und vitalisierende Wirkung auf unseren gesamten Metabolismus und nehmen Entzündungen aus dem Körper. Auch für mehr Nervenstärke sind die schwarzen Knospen förderlich.

Ein Busch, der eigentlich schon allein seiner Wuchsform („Habitus“) wegen nicht schwer zu erkennen ist, zeigte mir jetzt Mitte Februar schon teilweise angetriebene Knospen: der Holler-Busch oder Schwarzer Holunder (Sambucus nigra). Seinen Wuchs macht die mehrstämmige Form aus, von denen die einzelnen Stämme bogig nach außen hängen und immer gegenständige Ästchen aufweisen. Die Knospen sind in der Regel dunkelrot bis braun, sitzen auch gegenständig in den Achseln der letztjährigen Äste und haben keine Schuppen. Sie sind also ganz und gar nackt! Ganz schön mutig bei diesen Temperaturen!

Und doch hat der Holunder (scheinbar) keine Schwieirgkeiten, um durch die hiesigen Winter zu kommen, sieht man ihn doch nahezu an jeder Ecke stehen, um uns im Frühjahr mit seinen üppigen duftenden Blütendolden zu erfreuen.

Den Holunder kennen wir als vielfach verwendetes Kraut in der Volksmedizin und auch für die Küche hält er ja so einiges parat: das fängt an bei den Blättern, geht sogar über die Rinde zu den Blüten und Früchten (mehr Infs zum Schwarzen Holunder gibt es übrigens hier und Rezepte sind dort zu finden). Seine Knospen werden – trotz ihrer Nacktheit – auch in der Gemmotherapie eingesetzt. Ähnlich seines Blättertees hat das Holler-Knospen-Mazerat reinigende bzw. entgiftende Eigenschaften. Es wirkt sich ausgleichend auf unser Immunsystem und unseren Stoffwechsel aus und kann zur Genesung bei rheumatischen Beschwerden sowie Bronchialleiden beisteuern. Stellt man aus dem Auzug eine Salbe zur äußerlichen Anwendung her, hilft und beruhigt sie bei unreiner Haut.

Mit neckischen Öhrchen grüßt daneben nicht der Osterhas`, sondern ein weiterer Busch, dessen Knospen so weiß und weich wie Schnee sind: der Wollige Schneeball (Viburnum lantana). Seine Knospen sind etwas für´s Auge – mehr sollten wir auch nicht herausholen. Der Wollige Schneeball ist giftig für den Menschen, dennoch hat er seinen Nutzen für die Tierwelt. Seine roten Beeren hängen oft noch im Winter an den Zweigen. Damit ist zum einen Winter-Nahrung ür die Vögel gesichert und zum anderen ein guter Nistplatz im Frühjahr, denn der Schneeball wächst dicht und schön breit ausladend.

Jetzt bleibt es also noch etwas mildere Temperaturen abzuwarten, dann kann man die Knospen-Schönheiten beim „Aufwachen“ bewundern!

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