Wo die Liebe hinfällt…

Die meisten werden das schöne Sprichwort von der Liebe kennen, das so trefflich umschreibt, wie hilflos man den Gefühlen ausgesetzt ist, wenn einem das Schicksal einen Romeo (oder eine Julia) geschickt hat, der oder die zumeist „nicht gut“ für uns zu sein scheint:

„Wo die Liebe hie´fällt, da bleibt se flacka, und wenn´s auf´m Mischthaufa isch!“ so formulierte es meine gute Oma noch im Augschburgerischen bestem Schwäbisch.

Aber dass man das auch auf das Pflanzenreich anwenden kann, dürfte den wenigsten bewusst sein. Gut, man kann es nicht eins zu eins auf das Pflanzenreich übertragen, denn in diesem Fall meine ich nicht das gegensätzliche Geschlecht, das sich die Pflanze aussucht, sondern viel mehr den Nährboden, den sich die Pflanze sucht. Ich habe nämlich ein paar dreiste Hollerbüsche gefunden, die tatsächlich eine stattliche Größe erreichen konnten, obwohl ihr „Boden“ alles andere als üblich ist.

Es handelt sich hierbei nicht um sogenannte Epiphyten, also Pflanzen, die ihre Lebensweise darauf ausgerichtet haben, auf anderen Pflanzen zu gedeihen (wie das z.B. Tillandsien und Bromelien tun), sondern vielmehr um eine unverhoffte Zusammenkunft von Holunder-Same und etwas feuchter, humoser, moosiger Baumborke (in diesem Fall Ahorn), die aus dem Holunder eine „Aufsitzer-Pflanze“ gemacht hat.

Man erkennt es tatsächlich erst auf den zweiten Blick, aber hier wachsen in einer Ahorn-Allee auf mehreren (!) Ahorn-Bäumen (Acer campestre) kleine Hollerbüsche (Sambucus nigra) in den Astachseln. Und einige haben sogar Blüten und mittlerweile Fruchtansätze.

Man könnte also meinen, dass das für den Holunder nicht lange gutgehen kann – oder auch für den Ahorn. Aber im Moment, so scheint es doch eine Art Beziehung zwischen den beiden zu geben, die bei genauerer Betrachtung nicht unbedingt nachteilig für alle Beteiligten ist: der Holunder lebt nicht parasitisch – er kann die Leitungsbahnen des Ahorns im Inneren des Stamms nicht mit seinen Wurzeln anzapfen. Er muss also dank des Mooses, genug Boden und Halt für seine Wurzeln gefunden haben, wodurch er sich auch zunächst noch ausreichend mit Mineralsalzen und Wasser versorgen kann. Sicher kann das bei zunehmender Größe schwieriger werden, aber so, wie sie jetzt „zusammenstehen“, sieht es doch recht harmonisch aus.

Der Ahorn hat auch (noch) keinen Schaden. Der Holunder hat keine solche Größe und Gewicht, die ihm schaden könnten, er wird höchstens am Stamm zusätzlich beschattet.

So manche Beziehung, die also zunächst mal „unausgeglichen“ oder „schädlich“ für einen oder beide Parteien scheint, kann sich später also durchaus noch zu einer – zwar ungewöhnlichen, aber dennoch harmonischen – Beziehung entwickeln. Wünschen wir also doch Ahorn und Holunder einfach nur Glück für ihre gemeinsame Zukunft!

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