Weiße Bärte oder braune Bärte

Bei den einen reifen schon so langsam die Früchte, bei den anderen sind gerade die Blüten duftig-summend geöffnet. Wem zuvor nie eine Linde besonders aufgefallen sein mag, der stelle sich einmal im Juni oder Juli unter einen solchen Baum. Das wohlig-duftende und lebendig-summende Gewächs zeigt seine Wirkung und Geschichten, die um ihn bestehen, quasi schon von selbst. Man muss sich nur ein bisschen öffnen, für das, was der Baum einem bieten möchte.

Die Linde ist der letzte heimische Baum, der blüht und der erste der fruchtet, dabei gibt es die Sommer- (Tilia platyphyllos) und die Winterlinde (Tilia cordata). Um Sommer- und Winterlinde am leichtesten voneinander zu unterscheiden, so schaut man sich am besten die Unterseite der Blätter an: Dort sind in den Achseln der Blattnerven kleine Haarbüschel zu sehen, die entweder weiß oder eher rötlich-braun sind: „Wenn die Bärte weiß sind wie das strahlende Licht im Sommer“, handelt es sich um eine Sommerlinde. „Wenn die Bärte braun sind wie der Pelz des Bären, der Winterschlaf hält“ ist es die Winterlinde.

Zuletzt hat mir eine Bekannte erzählt, dass sie einen Lindenbaum im Garten habe, aber „den falschen“, wie ihr Homöopath sagte. Beide Lindentypen aber, die man bei uns antrifft, Sommer- wie Winterlinde, haben die gleichen Eigenschaften und lassen sich sowohl in Küche als auch Hausapotheke gleichsam anwenden (das bestätigt u.a. auch der Apotheker M.Pahlow). Es gibt also keine „falsche Linde“!

Aus unseren Lindenblüten (hier handelt es sich nun um die Blüten der Winterlinde) haben wir dieses Jahr Mädesüß- und Lindenblüten-Tee hergestellt und Lindenblütensirup, welches beides besonders gut schmeckt und uns in der kalten Jahreszeit aufwärmt und bei Erkältungssymptomen mildende Abhilfe schafft.

Die Blüten – die mit dem Hochblatt gesammelt werden – eignen sich nämlich seit jeher zur Linderung von Atemwegserkrankungen und Husten. Durch Tee und als Zugabe im Badewasser lassen sich die schweißtreibenden und schlaffördernden Eigenschaften, für die die Linde zu allen Zeiten bekannt war, am besten gegen Erkältungskrankheiten einsetzen. Damit helfen die Lindenblüten bei Grippe, Erkältung und Rheuma genauso wie sie erweichend auf den Hals bei Husten wirken. Bei Schlaflosigkeit hilft ihre sedative Wirkung.

Für den Tee haben wir Mädesüß- (Filipendula ulmaria) Blütenrispen und Lindenblüten zu gleichen Teilen gesammelt und im Schatten auf einem Backblech mit Backpapier für ein paar Tage getrocknet. Dann konnte man sie in einer Teedose abfüllen und aufbewahren. Für den Sirup wurde 1 kg Zucker mit 1 l Wasser aufgekocht. Diesen Zuckersirup gießt man dann über 2 große Handvoll weit aufgeblühter, duftender Lindenblüten, die zusammen mit der Schale einer Bio-Zitrone in einem großen Schraubglas aufgeschichtet sind. Zum Schluss noch den Saft einer Bio-Zitrone zufügen und das Ganze kühl und dunkel für 2-3 Tage durchziehen lassen (z.B. im Keller). Anschließend werden die Zitronenschalen und die Blüten abgefiltert und der Sirup nochmals erhitzt. Wenn man ihn noch heiß in Glaschen abüllt, hält er etwa 1 Jahr im Kühlschrank. Der Sirup mundet besonders meinen Kindern statt 1 EL Honig in den winterlichen Früchtetee. Mir bleibt dann meist mehr von dem Mädesüß-Lindenblüten-Tee, dessen wohlig wärmende und beruhigende Wirkung ich sowieso lieber mag.

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